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Amazon Analytics: Welche Daten wirklich zählen

Welche Datenquellen es in Seller Central gibt, was sie leisten und wo sie strukturell aufhören.

MK
Markus Klein
Head of Content
12. Apr 2026 · 12 Min. Lesezeit
Viele blasse Datenlinien im Hintergrund, eine einzelne klare Linie tritt hervor.
Das Wichtigste in Kürze
  • Umsatz allein sagt wenig — erst Conversion, ACOS/TACOS und Marge machen ein Bild vollständig.
  • Seller Central und Brand Analytics liefern die Rohdaten, haben aber klare Grenzen: kein Einkaufspreis, keine echte Marge, spürbarer Zeitversatz.
  • Entscheidend ist nicht, mehr zu messen, sondern aus wenigen KPIs Handlungen abzuleiten.

Warum die richtigen Kennzahlen über deinen Erfolg entscheiden

Amazon überschüttet dich mit Daten: Sessions, Seitenaufrufe, Bestellungen, Werbeausgaben, Rücksendungen. In den Reports von Seller Central und Brand Analytics findest du Dutzende Metriken — und genau das ist das Problem. Wer alles beobachtet, verliert leicht den Blick für die wenigen Zahlen, die tatsächlich über Wachstum und Marge entscheiden.

Gute Amazon-Analytics bedeutet nicht, möglichst viel zu messen, sondern die richtigen Kennzahlen im Zusammenhang zu lesen. Ein steigender Umsatz kann positiv sein — oder das Ergebnis teuer erkaufter Werbung, die deine Marge auffrisst. Erst die Kombination aus Umsatz, Conversion, Werbeeffizienz und Rentabilität ergibt ein belastbares Bild.

Dieser Guide ist der Überblick: Welche Datenquellen gibt es überhaupt, was kann jede davon, und wo hört sie auf? Es geht ausdrücklich nicht darum, jede Gewinn-Kennzahl im Detail durchzurechnen — dafür haben wir den Deep Dive zu Profit-Tracking-KPIs. Hier bekommst du die Landkarte, dort die Formeln.

Eine Vorbemerkung, die wir ernst meinen: Verlass dich nicht auf Zielwerte aus Blogartikeln — auch nicht auf unsere. Eine Conversion von 12 % ist in einer Kategorie großartig und in der nächsten unterdurchschnittlich. Die einzigen Vergleichswerte, die für dich zählen, sind deine eigenen aus dem Vormonat und deine eigenen zwischen zwei ASINs.

Die Datenquellen in Seller Central, systematisch

Bevor du über KPIs redest, solltest du wissen, wo die Zahlen überhaupt herkommen. Amazon hat sie über mehrere Bereiche verteilt, die historisch gewachsen sind und sich teilweise überschneiden. Vier Quellen decken den Großteil ab:

1
Business Reports
Dein Standardwerkzeug. Liefert je ASIN und Tag: Sessions, Seitenaufrufe, bestellte Einheiten, Umsatz, Unit Session Percentage und den Buy-Box-Anteil. Beschreibt, was auf deinen Angebotsseiten passiert — sonst nichts. Kosten kommen hier nicht vor.
2
Werbeberichte (Amazon Ads)
Ausgaben, Impressions, Klicks, Werbeumsatz, ACOS je Kampagne, Anzeigengruppe, Keyword und Suchbegriff. Eine eigene Welt mit eigener Zuordnungslogik — deshalb passen die Umsätze hier fast nie exakt zu den Business Reports.
3
Brand Analytics
Nur für registrierte Marken. Top-Suchbegriffe mit den meistgeklickten Produkten, Wiederholungskaufverhalten, Warenkorb-Kombinationen und Demografie. Der Blick nach außen: was der Markt sucht, nicht was du verkauft hast.
4
Search Query Performance
Ebenfalls Brand Analytics, aber die interessanteste Tabelle darin. Zeigt je Suchbegriff, wie oft er angezeigt wurde, wie oft geklickt und gekauft wurde — und wie groß dein Anteil daran war. Damit siehst du erstmals dein Marktanteilsproblem statt nur dein Umsatzproblem.
5
Zahlungs- und Erstattungsberichte
Der Transaktions- und Erstattungsbericht zeigt, was tatsächlich auf deinem Konto landet, inklusive Gebühren und Rückerstattungen. Die ehrlichste Quelle — und die, in die am seltensten jemand schaut.
Zwei Quellen, zwei Wahrheiten
Business Reports beschreiben deine Angebotsseiten. Brand Analytics beschreibt den Markt. Wenn dein Umsatz stabil ist, dein Anteil in der Search Query Performance aber fällt, wächst der Markt ohne dich. Das siehst du in den Business Reports nie.

Die KPIs, die wirklich zählen

Statt jeder verfügbaren Metrik solltest du dich auf eine überschaubare Auswahl konzentrieren, die Umsatz, Sichtbarkeit, Effizienz und Rentabilität abdeckt. Diese Kennzahlen bilden das Fundament:

1
Umsatz & bestellte Einheiten
Der Ausgangspunkt jeder Analyse — aber nur im Verlauf und im Vergleich mit Vorperioden aussagekräftig, nicht als isolierte Zahl.
2
Sessions & Seitenaufrufe
Sessions zeigen, wie viele Besucher deine Angebotsseite erreichen. Bleiben sie niedrig, liegt das Problem eher bei Sichtbarkeit und Traffic als bei der Seite selbst.
3
Conversion (Unit Session Percentage)
Der Anteil der Sessions, die zu einem Verkauf führen. Sinkt sie trotz stabilem Traffic, deuten Bilder, Preis, Bewertungen oder Content auf Optimierungsbedarf hin.
4
ACOS & TACOS
ACOS misst die Werbekosten im Verhältnis zum Werbeumsatz, TACOS im Verhältnis zum Gesamtumsatz. TACOS zeigt, wie abhängig dein Geschäft von bezahltem Traffic ist.
5
Buy-Box-Anteil
Der Prozentsatz der Zeit, in der dein Angebot die Buy Box hält. Sinkt er, brechen häufig auch Sessions und Umsatz ein, obwohl die Seite unverändert ist.
6
Retourenquote & Marge
Hohe Retouren fressen Marge und können auf Produkt- oder Erwartungsprobleme hinweisen. Erst nach Abzug aller Kosten weißt du, ob ein Produkt wirklich profitabel ist.

Sessions und Conversion richtig lesen

Sessions und Conversion gehören zusammen und trennen zwei völlig verschiedene Probleme. Kommt kaum Traffic auf deine Seite, hast du ein Sichtbarkeitsproblem — Ranking, Werbung oder Buy-Box-Anteil. Kommt viel Traffic, aber es wird selten gekauft, hast du ein Conversion-Problem auf der Angebotsseite selbst.

Die zentrale Kennzahl dafür ist die Unit Session Percentage, also der Anteil der Sessions, die in verkauften Einheiten enden. Amazon nennt hier bewusst keinen allgemeingültigen Zielwert, weil er stark von Kategorie, Preis und Wettbewerb abhängt. Aussagekräftiger als ein absoluter Wert ist deshalb die Entwicklung im Zeitverlauf und der Vergleich zwischen deinen eigenen Produkten.

Bricht die Conversion ein, während der Traffic stabil bleibt, lohnt der Blick auf die üblichen Hebel: Hauptbild und Bildergalerie, Preis im Wettbewerbsvergleich, aktuelle Bewertungen, Lieferzusage sowie A+ Content. Kleine Verbesserungen an diesen Stellen wirken sich oft direkt auf den Umsatz aus, ohne dass du zusätzlichen Traffic einkaufen musst.

Eine Tücke, die viele übersehen: Eine Session ist kein Besucher, sondern ein Besuch innerhalb eines Zeitfensters. Ruft derselbe Kunde deine Seite dreimal am Tag auf, zählt Amazon das nicht zwingend als drei Sessions. Deshalb kannst du Sessions nicht mit Klicks aus deinen Werbeberichten gleichsetzen und daraus einen Anteil rechnen — die beiden Zahlen messen schlicht nicht dasselbe.

ACOS, TACOS und die Frage nach der echten Marge

Werbeeffizienz misst du klassisch über den ACOS (Advertising Cost of Sale): Werbeausgaben geteilt durch den darüber erzielten Werbeumsatz. Der ACOS allein greift jedoch zu kurz, weil er nur den Umsatz betrachtet, der direkt aus Anzeigen entsteht — und ignoriert, dass Werbung oft auch organische Verkäufe anstößt.

Der TACOS (Total Advertising Cost of Sale) setzt die Werbeausgaben stattdessen ins Verhältnis zum Gesamtumsatz. Ein sinkender TACOS bei wachsendem Umsatz ist ein starkes Signal: Deine organische Sichtbarkeit trägt zunehmend, und du bist weniger von bezahltem Traffic abhängig. Ein dauerhaft hoher TACOS deutet dagegen darauf hin, dass Umsatz vor allem eingekauft wird.

Am Ende zählt keine dieser Kennzahlen so viel wie die tatsächliche Marge. Umsatz, ACOS oder Conversion können hervorragend aussehen, während unter dem Strich kaum etwas übrig bleibt — sobald Amazon-Gebühren, FBA-Kosten, Werbung, Retouren und Wareneinstandspreise abgezogen sind. Rentabilität pro Produkt ist deshalb die Kennzahl, an der sich alle anderen messen lassen müssen.

Wie du Kampagnen anhand dieser Zahlen tatsächlich steuerst, statt nur auf den ACOS zu starren, steht in unserem Guide zu Amazon Pay Per Click.

Kennzahlen, die dich systematisch täuschen

Manche Zahlen sind nicht falsch, sie beantworten nur eine andere Frage als die, die du stellst. Vier Klassiker, die in fast jedem Account Fehlentscheidungen auslösen:

1
Umsatz ohne Retouren
Der Umsatz in den Business Reports ist der Bestellumsatz. Die Retoure, die zwei Wochen später eintrifft, kürzt ihn nicht rückwirkend in deinem Kopf. Bei Retouren-starken Kategorien wie Bekleidung ist die Lücke zwischen bestelltem und behaltenem Umsatz erheblich — und sie verschiebt sich zeitlich. Mehr dazu in unserem Guide zu <a href="blog/artikel/amazon-retouren-quote-senken">Amazon-Retouren</a>.
2
ACOS ohne organische Verkäufe
Ein ACOS von 40 % klingt schlecht. Wenn dieselbe Kampagne dein Ranking trägt und die Hälfte deines Umsatzes organisch nachzieht, ist sie es nicht. Umgekehrt: Ein ACOS von 8 % auf reinen Markennamen-Suchen bedeutet meist, dass du Kunden bezahlst, die dich sowieso gefunden hätten.
3
Buy-Box-Anteil als Erfolgsmaß
Der Anteil lässt sich immer auf 100 % treiben, wenn dir der Preis egal ist. Als Zielgröße taugt er nicht, als Erklärung für Umsatzeinbrüche sehr wohl. Der Unterschied ist wichtig — siehe <a href="blog/artikel/amazon-buy-box">Amazon Buy Box</a>.
4
Durchschnittswerte über alle ASINs
Ein Account-weiter ACOS von 25 % kann bedeuten, dass alle Produkte bei 25 % liegen — oder dass die Hälfte bei 10 % und die andere Hälfte bei 60 % steht. Die erste Lage ist gesund, die zweite ist ein Notfall. Der Durchschnitt sieht identisch aus.
Jede Zahl braucht ihren Zeitraum
Werbeausgaben fallen am Klicktag an, der Umsatz oft Tage später, die Retoure Wochen danach. Wer ACOS für „gestern“ liest, sieht Kosten ohne die zugehörigen Verkäufe. Für Werbeentscheidungen sind kurze Zeiträume grundsätzlich unbrauchbar.

Rechenbeispiel: Gleicher Umsatz, völlig andere Wahrheit

Der schnellste Weg, das Umsatzdenken loszuwerden, ist ein Vergleich. Zwei ASINs, im Business Report praktisch nicht zu unterscheiden. Alle Zahlen sind Beispielwerte — dein Rechenweg bleibt derselbe.

ASIN A macht 10.000 Euro Umsatz im Monat: 200 Einheiten zu 50 Euro. Einkauf 20 Euro pro Stück, macht 4.000 Euro. Amazon-Gebühren und FBA zusammen 15 Euro pro Stück, macht 3.000 Euro. Werbung 800 Euro. Retourenquote 4 %, also 8 Einheiten, davon die Hälfte nicht wiederverkäuflich: rund 300 Euro Verlust. Bleiben etwa 1.900 Euro.

ASIN B macht ebenfalls 10.000 Euro: 400 Einheiten zu 25 Euro. Einkauf 11 Euro, macht 4.400 Euro. Gebühren und FBA 8 Euro pro Stück, macht 3.200 Euro — der Fixanteil der Gebühren wiegt beim günstigeren Artikel doppelt so schwer. Werbung 1.400 Euro, weil der Wettbewerb im Einstiegssegment härter ist. Retourenquote 9 %, also 36 Einheiten, rund 400 Euro Verlust. Bleiben etwa 600 Euro.

Gleicher Umsatz, dreifacher Gewinnunterschied. Und jetzt der Teil, der weh tut: Wenn du dein Werbebudget nach Umsatz verteilst, gibst du beiden gleich viel — und schaufelst Geld in das Produkt, das kaum etwas abwirft. Wenn du nach Einheiten verteilst, ist es noch schlimmer, denn ASIN B verkauft doppelt so viele.

Die Kennzahl, die den Unterschied sichtbar macht, ist der Deckungsbeitrag je Einheit: bei A rund 9,50 Euro, bei B rund 1,50 Euro. Sie steht in keinem Amazon-Bericht, weil Amazon deinen Einkaufspreis nicht kennt. Genau deshalb kann Seller Central diese Frage strukturell nicht beantworten.

Wo Seller Central strukturell aufhört

So nützlich die nativen Reports sind — sie sind nicht dafür gebaut, dein Geschäft ganzheitlich zu steuern. Die Daten liegen über viele Menüs verteilt, lassen sich nur eingeschränkt kombinieren und zeigen selten die eine Zahl, die wirklich zählt: den Gewinn nach allen Kosten.

Das ist kein Versäumnis, sondern eine strukturelle Grenze. Amazon kennt deinen Einkaufspreis nicht. Es weiß nicht, was du für die Ware bezahlt hast, was der Container gekostet hat, was dein Lager kostet oder was du an Zoll gezahlt hast. Jede Rentabilitätsrechnung, die Amazon dir anzeigen könnte, wäre bestenfalls halb. Mehr als Umsatz minus Amazon-eigene Gebühren geht schlicht nicht.

Dazu kommt der Zeitversatz. Erstattungen erscheinen Wochen nach der Bestellung. Lagergebühren werden monatlich abgerechnet und lassen sich im Nachhinein nur schwer der Bestellung zuordnen, die sie verursacht hat. Werbekosten und der von ihnen ausgelöste Umsatz fallen auseinander. Wer den laufenden Monat betrachtet, sieht immer eine unfertige Rechnung — und je näher am heutigen Tag, desto schöner sieht sie aus.

Und schließlich die Aufbewahrung: Historische Daten stehen nur begrenzt zur Verfügung, und über mehrere Marktplätze hinweg lässt sich kaum etwas sauber vergleichen. Wer Jahresvergleiche will, muss selbst archivieren — am besten ab heute, nicht dann, wenn er sie braucht.

Praktisch heißt das: Die Kostenseite musst du selbst beisteuern. Entweder in einer Tabelle, die du monatlich pflegst und irgendwann nicht mehr pflegst, oder über ein Werkzeug, das die Berichte automatisch abholt und deine Einkaufspreise dagegenrechnet.

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Die Zahlen widersprechen sich — woran es liegt

„Der Werbebericht sagt 4.200 Euro Umsatz, der Business Report 3.800, die Auszahlung 3.100.“ Das ist der Normalfall, kein Fehler. Geh die Punkte von oben nach unten durch — der erste Treffer erklärt fast immer den Großteil der Lücke.

1
Vergleichst du dieselbe Zeitzone?
Business Reports laufen in der Zeitzone des Marktplatzes, Werbeberichte nicht zwingend. Ein Tag Versatz erklärt bei täglicher Betrachtung erstaunlich viel.
2
Vergleichst du Bestell- mit Versandzeitpunkt?
Manche Berichte zählen bei Bestelleingang, andere bei Versand oder bei Auszahlung. Bei langen Lieferzeiten liegen dazwischen Tage.
3
Ist das Attributionsfenster berücksichtigt?
Ein Klick heute kann einem Kauf in einigen Tagen zugeordnet werden. Der Werbeumsatz von gestern wächst deshalb noch, nachdem du hingeschaut hast. Frisch abgerufene ACOS-Werte sind immer zu schlecht.
4
Sind Erstattungen drin oder nicht?
Bestellumsatz enthält sie noch, die Auszahlung nicht mehr. Der Unterschied ist genau deine Retourenquote — und damit eine nützliche Zahl, kein Ärgernis.
5
Vergleichst du Umsatz mit Umsatz?
Manche Ansichten zeigen Umsatz inklusive Versandkosten und Geschenkverpackung, andere nur den Artikelpreis. Bei kleinteiligen Artikeln macht das mehrere Prozent.
6
Sind alle Marktplätze in beiden Zahlen?
Ein aktiver Filter auf einen Marktplatz in der einen Ansicht und keiner in der anderen ist der banalste und häufigste Grund überhaupt.
Eine Quelle zur Wahrheit erklären
Such nicht die Zahl, die stimmt — es stimmen alle, nur für verschiedene Fragen. Leg pro Frage eine Quelle fest: Auszahlungsbericht für Geld, Business Reports für Verhalten auf der Seite, Search Query Performance für Marktanteil. Dann hört das Rätselraten auf.

Wie oft solltest du überhaupt draufschauen?

Seltener, als du denkst. Der häufigste Analytics-Fehler ist nicht zu wenig Messen, sondern zu häufiges Hinsehen. Tägliche Zahlen schwanken aus Gründen, die nichts mit deiner Arbeit zu tun haben: Wochentag, Wetter, ein Wettbewerber im Deal, Zufall. Wer täglich reagiert, optimiert Rauschen.

Ein Rhythmus, der in der Praxis funktioniert: Täglich nur Alarme, keine Analyse — Bestand auf null, Listing gesperrt, Account-Health-Warnung, Werbebudget ausgeschöpft. Das sind Ereignisse, keine Kennzahlen, und sie brauchen eine Reaktion innerhalb von Stunden.

Wöchentlich die Steuerung: Buy-Box-Anteil, Conversion und ACOS deiner Top-ASINs, jeweils gegen die Vorwoche. Zehn Minuten, und du notierst, was du geändert hast. Diese Notiz ist wichtiger als die Zahl, denn ohne sie kannst du in vier Wochen keine Wirkung zuordnen.

Monatlich die Wahrheit: Gewinn je Produkt nach allen Kosten, Retourenquote, TACOS im Trend. Erst hier sind Erstattungen und Lagergebühren weitgehend eingelaufen. Und quartalsweise die unangenehme Frage: Welches Produkt trägt sich nicht und wird es auch nicht mehr?

Je kleiner die Zahl, desto länger der Zeitraum, den du brauchst. Ein ASIN mit fünf Verkäufen pro Woche hat keine aussagekräftige Conversion — bei so wenigen Datenpunkten ist jeder Ausschlag Zufall. Für solche Produkte schaust du im Monatsraster oder gar nicht.

Von Zahlen zu Entscheidungen

Kennzahlen sind kein Selbstzweck — ihr Wert entsteht erst, wenn du aus ihnen Handlungen ableitest. Sinnvoll ist ein fester Rhythmus: Statt täglich auf schwankende Zahlen zu reagieren, betrachtest du die wichtigsten KPIs in klaren Intervallen und suchst gezielt nach Abweichungen vom Trend.

Dabei hilft es, immer nach der Ursache zu fragen, statt nur das Symptom zu sehen. Weniger Umsatz kann an gesunkenem Traffic, verlorener Buy Box oder schwächerer Conversion liegen — und jede Ursache verlangt eine andere Reaktion. Erst wenn du die Kennzahlen im Zusammenhang liest, führt eine Zahl zur richtigen Maßnahme statt zu blindem Aktionismus.

Eine Reihenfolge, die sich bewährt hat: Erstens fragst du, ob überhaupt weniger Leute da waren — Sessions gegen Vorperiode. Zweitens, ob sie schlechter gekauft haben — Unit Session Percentage. Drittens, ob du weniger sichtbar warst — Buy-Box-Anteil und organische Rankings, siehe dazu unseren Amazon-SEO-Guide. Viertens, ob der Markt selbst kleiner wurde — Search Query Performance. Der erste Punkt, der auffällig ist, ist deine Baustelle. Die darunter kannst du ignorieren, bis der obere sauber ist.

Praktisch heißt das: Wenige aussagekräftige KPIs regelmäßig prüfen, Auffälligkeiten bis zur Ursache verfolgen und die Rentabilität als übergeordnete Leitgröße behalten. So wird aus einem Meer von Daten ein Steuerungsinstrument.

Fazit

Amazon-Analytics ist keine Frage der Datenmenge, sondern der Fokussierung. Wer Umsatz, Sessions, Conversion, ACOS/TACOS, Buy-Box-Anteil und Retourenquote im Zusammenhang liest und die echte Marge als Leitgröße nimmt, trifft bessere Entscheidungen als jemand, der sich in Dutzenden Berichten verliert.

Die wichtigste Einsicht dieses Guides ist eine Grenze, keine Kennzahl: Seller Central kann dir nicht sagen, ob ein Produkt sich lohnt, weil Amazon deinen Einkaufspreis nicht kennt. Alles, was du dort siehst, ist Umsatz minus dem, was Amazon selbst kassiert hat. Die Kostenseite musst du beisteuern — und wer das nicht tut, steuert sein Geschäft nach einer Zahl, die nur zufällig mit dem Gewinn korreliert.

Weil Seller Central die entscheidende Zahl — den Gewinn nach allen Kosten — nicht direkt liefert, lohnt sich ein Werkzeug, das die Datenquellen zusammenführt. Das Sellercore Profit Dashboard bündelt Umsatz, Gebühren, Werbung und Retouren zu einer klaren Sicht auf deine tatsächliche Marge je Produkt — damit du nicht nur misst, sondern handelst.

Häufige Fragen

Welche Kennzahl sollte ich anschauen, wenn ich nur Zeit für eine habe?
Den Deckungsbeitrag je Einheit pro Produkt, also Verkaufspreis minus Einkauf, Gebühren, FBA, anteilige Werbung und Retourenkosten. Er beantwortet als einzige Zahl die Frage, ob sich ein Produkt lohnt. Alle anderen KPIs erklären nur, warum er sich verändert hat. Der Haken: Du musst ihn selbst rechnen, weil Amazon deinen Einkaufspreis nicht kennt.
Warum zeigt der Werbebericht andere Umsätze als der Business Report?
Weil beide unterschiedlich zählen. Der Werbebericht ordnet Umsatz einem Klick zu, der Tage zurückliegen kann, und zwar nur den Umsatz, der auf Werbung zurückgeht. Der Business Report zählt alle Bestellungen am Bestelltag. Dazu kommen mögliche Zeitzonenunterschiede. Beide Zahlen sind korrekt, sie beantworten nur verschiedene Fragen — vergleiche sie deshalb nie direkt.
Brauche ich Brand Analytics, oder reichen die Business Reports?
Für den Anfang reichen die Business Reports völlig. Brand Analytics wird interessant, sobald du wissen willst, ob ein Umsatzrückgang an dir liegt oder am Markt. Die Search Query Performance zeigt dir deinen Anteil an Klicks und Käufen je Suchbegriff — das siehst du sonst nirgends. Voraussetzung ist die Markenregistrierung.
Wie lange muss ich warten, bis eine Änderung in den Zahlen sichtbar ist?
Rechne mit zwei bis vier Wochen, bevor du eine Änderung wirklich beurteilen kannst. Werbe-Attribution braucht einige Tage, Retouren laufen Wochen später ein, und Ranking-Effekte brauchen ohnehin Zeit. Wer nach drei Tagen entscheidet, entscheidet über Rauschen. Notiere lieber das Datum der Änderung und schau bewusst später wieder hin.
Sind die Zahlen in den Amazon-Berichten überhaupt zuverlässig?
Innerhalb dessen, was sie messen, ja. Unzuverlässig werden sie, wenn du sie für etwas verwendest, wofür sie nicht gebaut sind — etwa Bestellumsatz als Gewinnindikator oder eine frisch abgerufene ACOS-Zahl als Entscheidungsgrundlage. Das Problem sind fast nie die Daten, sondern die Frage, die man an sie stellt.
Lohnt sich eine eigene Tabelle oder gleich ein Tool?
Eine Tabelle ist ein hervorragender Einstieg, weil du dabei verstehst, welche Kosten überhaupt anfallen. Ab etwa zwanzig ASINs oder mehreren Marktplätzen wird die manuelle Pflege aber zur Fehlerquelle, und meistens hört man irgendwann einfach auf, sie zu pflegen. Der ehrliche Test: Hast du sie letzten Monat aktualisiert?
MK
Markus Klein · Head of Content
Schreibt bei Sellercore über Amazon-Strategie, Automatisierung und E-Commerce.

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