Amazon FBA klingt verlockend: Du schickst deine Ware an Amazon, und Amazon kümmert sich um Lagerung, Versand, Retouren und Kundenservice. Aber wie fängt man an? Dieser Guide führt dich in 10 konkreten Schritten von Null zum ersten Verkauf — mit realistischen Zahlen für 2026.
📊 Amazon FBA in Zahlen (2026)
- 60% aller Amazon-Verkäufe kommen von Dritthändlern (nicht Amazon selbst)
- Durchschnittliches Startkapital: 2.000–5.000€
- Amazon-Gebühren: 25–40% des Verkaufspreises
- Zeitaufwand bis zum ersten Verkauf: 3–6 Monate
1 Geschäftsmodell wählen
Bevor du loslegst, musst du entscheiden wie du auf Amazon verkaufen willst. Es gibt drei Hauptmodelle:
- Private Label — Du lässt ein Produkt unter deiner eigenen Marke herstellen. Höchste Margen, aber mehr Startkapital und Risiko. Das beliebteste Modell.
- Wholesale (Großhandel) — Du kaufst bestehende Markenprodukte im Großhandel und verkaufst sie auf Amazon weiter. Geringeres Risiko, aber mehr Konkurrenz.
- Retail/Online Arbitrage — Du kaufst reduzierte Produkte im Einzelhandel und verkaufst sie mit Aufschlag auf Amazon. Niedrigstes Startkapital, aber schlecht skalierbar.
💡 Unsere Empfehlung für Einsteiger
Private Label ist langfristig das profitabelste Modell. Du baust eine echte Marke auf, hast die höchsten Margen und bist nicht von anderen Marken abhängig. Starte mit einem einfachen Produkt in einer Nische, die du verstehst.
2 Gewerbe anmelden
In Deutschland brauchst du ein angemeldetes Gewerbe, um auf Amazon zu verkaufen. So geht's:
- Gewerbeanmeldung beim zuständigen Gewerbeamt (ca. 20–60€). Als Tätigkeit z.B. "Onlinehandel" angeben.
- Steuernummer beim Finanzamt beantragen. Du bekommst einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung.
- USt-IdNr. (Umsatzsteuer-Identifikationsnummer) beim Bundeszentralamt für Steuern beantragen — brauchst du für den EU-weiten Handel.
- Geschäftskonto eröffnen. Trenne private und geschäftliche Finanzen von Anfang an.
- EORI-Nummer beim Zoll beantragen — brauchst du für Importe aus China.
⚠️ Rechtsform wählen
Als Einzelunternehmer startest du am einfachsten. Bei größerem Startkapital (ab 25.000€) oder wenn du die persönliche Haftung begrenzen willst, ist eine UG (ab 1€ Stammkapital) oder GmbH (ab 25.000€) sinnvoll. Sprich mit einem Steuerberater — die Investition lohnt sich.
3 Amazon Seller Account erstellen
Geh auf sellercentral.amazon.de und registriere dich für einen Professional Seller Account (39€/Monat). Dafür brauchst du:
- Gültiger Personalausweis oder Reisepass
- Geschäftskonto (IBAN)
- Kreditkarte (für Amazon-Gebühren)
- Steuernummer und USt-IdNr.
- Telefonnummer für die Verifizierung
Amazon prüft deine Identität — das kann ein paar Tage dauern. Manchmal wird ein Video-Call zur Verifizierung angefordert.
4 Produkt finden
Die Produktrecherche ist der wichtigste Schritt. Ein gutes Produkt hat:
- Hohe Nachfrage — mindestens 300 Verkäufe/Monat in der Nische
- Geringe Konkurrenz — wenige Listings mit über 500 Bewertungen
- Verbesserungspotential — lies die negativen Bewertungen der Konkurrenz
- Verkaufspreis 15–50€ — genug Marge, aber nicht zu teuer für Impulskäufe
- Klein und leicht — spart Versand- und FBA-Gebühren
- Nicht saisonal — ganzjährig nachgefragt
- Kein reguliertes Produkt — keine Lebensmittel, Medizinprodukte oder Gefahrgüter am Anfang
Tools wie Jungle Scout, Helium 10 oder der kostenlose Amazon Bestseller-Rang helfen bei der Recherche.
5 Hersteller finden und Muster bestellen
Die meisten Private-Label-Seller sourcen aus China über Alibaba.com. So gehst du vor:
- Suche dein Produkt auf Alibaba
- Kontaktiere 5–10 Hersteller mit Trade Assurance und Gold Supplier Badge
- Frage nach MOQ (Mindestbestellmenge), Stückpreis und Anpassungsmöglichkeiten
- Bestelle Muster von den besten 3 Herstellern (20–50€ pro Muster)
- Prüfe Qualität, Verpackung und Vergleiche
- Verhandle den Preis — bei der ersten Bestellung hast du wenig Verhandlungsspielraum, aber frag trotzdem
💰 Kosten kalkulieren
Bevor du bestellst, rechne durch: Einkaufspreis + Versand nach DE + Zoll + Amazon-Gebühren + Werbung = Gesamtkosten. Dein Verkaufspreis muss mindestens 3x den Einkaufspreis betragen, damit nach allen Abzügen Gewinn übrig bleibt.
6 Listing erstellen
Dein Listing ist dein Verkäufer auf Amazon — es muss überzeugen. Die wichtigsten Elemente:
Titel
Hauptkeyword vorne, Marke, wichtigste Eigenschaft, Größe/Menge. Maximal 200 Zeichen.
Bullet Points
5 Aufzählungspunkte mit den wichtigsten Vorteilen. Jeder Bullet startet mit einem GROSSGESCHRIEBENEN Keyword.
Produktbilder
Mindestens 7 Bilder: Hauptbild (weißer Hintergrund), Lifestyle-Bilder, Infografiken mit Features, Größenvergleich, Verpackung. Investiere in professionelle Produktfotos — das ist kein Sparposten.
A+ Content
Wenn du eine Marke in der Brand Registry hast, nutze A+ Content für erweiterte Produktbeschreibungen mit Bildern und Vergleichstabellen.
7 Ware an Amazon senden
Seit Januar 2026 bietet Amazon keine FBA Prep Services mehr an. Das heißt: Du musst deine Ware selbst oder über einen 3PL-Dienstleister vorbereiten.
- FNSKU-Labels drucken und auf jedes Produkt kleben
- Verpackungsrichtlinien einhalten (Polybagging, Bubble Wrap je nach Produkt)
- Versandplan in Seller Central erstellen
- Kartons richtig beschriften (Box Labels von Amazon)
- Versand über Amazon Partnered Carrier (günstiger) oder eigenen Spediteur
🎁 Bonus für neue Seller
Amazon bietet neuen FBA-Sellern kostenlosen Lagerplatz für 50 Einheiten pro neuem ASIN — 90 Tage lang. Außerdem gibt es 100€ Versandguthaben für Amazon Partnered Carrier.
8 Launch vorbereiten
Dein Produkt ist bei Amazon angekommen — jetzt muss es sichtbar werden:
- PPC-Kampagnen starten — Beginne mit einer Auto-Kampagne (Amazon findet Keywords für dich) und einer manuellen Kampagne mit deinen Top-Keywords. Budget: 15–30€/Tag am Anfang.
- Bewertungen aufbauen — Nutze das Amazon Vine Programm (bis zu 30 Bewertungen) oder die Bewertungsanfrage-Funktion in Seller Central.
- Preis strategisch setzen — Starte ggf. mit einem niedrigeren Einführungspreis um die Buy Box zu gewinnen und erste Verkäufe zu generieren.
9 Optimieren
Nach den ersten Wochen beginnt die eigentliche Arbeit — datengetriebene Optimierung:
- PPC analysieren — ACoS unter 30% halten, unprofitable Keywords pausieren, gut laufende Keywords erhöhen
- Conversion Rate prüfen — Unter 10%? Listing-Bilder und Texte verbessern
- Bewertungen lesen — Kritik ernst nehmen und Produkt/Listing anpassen
- Pricing optimieren — A/B-Tests mit verschiedenen Preispunkten
- Lagerbestand planen — Nachbestellung rechtzeitig aufgeben (4–6 Wochen Vorlauf bei China-Import)
10 Skalieren
Dein erstes Produkt läuft? Zeit zu wachsen:
- Weitere Produkte in der gleichen Nische launchen
- Weitere Marktplätze — Amazon UK, FR, IT, ES über das European Fulfillment Network
- Brand Registry anmelden für A+ Content und Markenschutz
- Tools nutzen — Repricing, PPC-Automatisierung, Profit-Tracking automatisieren
Was kostet Amazon FBA? Realistische Kalkulation
| Position | Kosten |
|---|---|
| Gewerbeanmeldung | 20–60€ |
| Amazon Professional Account (Monat) | 39€ |
| Produktmuster (3 Stück) | 60–150€ |
| Erste Bestellung (200–500 Stück) | 500–2.000€ |
| Versand aus China | 200–500€ |
| Produktfotos (professionell) | 150–400€ |
| Startbudget PPC (1. Monat) | 300–600€ |
| Amazon Vine (optional) | 170€ |
| Gesamt | 1.500–4.000€ |
Die 5 häufigsten Anfängerfehler
- Zu viele Einheiten bestellen — Starte mit 200–500 Stück, nicht 2.000.
- Keine Produktrecherche — "Ich finde das Produkt cool" ist keine Marktanalyse.
- Schlechte Bilder — Die ersten 2 Sekunden entscheiden. Investiere in Profi-Fotos.
- Kein Werbebudget einplanen — Ohne PPC wirst du nicht gefunden.
- Steuerberater vergessen — Amazon, Zoll, Umsatzsteuer — das wird kompliziert. Hol dir Hilfe.
Fazit: Lohnt sich Amazon FBA noch?
Ja — aber nicht mehr als schnelles Nebeneinkommen. Amazon FBA ist ein echtes Business, das Kapital, Zeit und Lernbereitschaft erfordert. Die Hürden sind höher als 2020, aber die Chancen sind immer noch da: Der deutsche E-Commerce-Markt wächst weiter, und Amazon dominiert mit 60% Marktanteil.
Der Schlüssel zum Erfolg: Starte klein, lerne schnell, optimiere datengetrieben. Und vergiss nicht — du baust nicht "ein Amazon-Produkt" auf, sondern eine Marke.
💡 Sellercore Tipp
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