Was ist ein Amazon Fulfillment Center – und warum sollte dich das als Seller interessieren?
Ein Amazon Fulfillment Center (FC) ist das Herzstück von FBA. Sobald du deine Ware dorthin sendest, übernimmt Amazon alles: Einlagerung, Qualitätsprüfung, Kommissionierung, Verpackung, Versand und Retourenbearbeitung. Du hast mit dem physischen Produkt nichts mehr zu tun – bis die nächste Nachbestellung ansteht.
Jedes Logistikzentrum trägt einen eindeutigen dreistelligen Code plus Zahl, zum Beispiel DTM1, FRA3 oder LEJ5. Die ersten drei Buchstaben orientieren sich an IATA-Flughafencodes oder Regionscodes: DTM steht für die Region Dortmund, FRA für Frankfurt, LEJ für Leipzig, HAM für Hamburg. Diese Codes tauchen in deinen FBA-Versandplänen auf und sind kein Zufallsprodukt – sie verraten dir, in welchen Teil Deutschlands Amazon deine Ware schickt.
Das deutsche Netzwerk ist Teil eines europäischen Verbunds. Je nachdem, ob du Pan-European FBA aktiviert hast oder nicht, bleibt deine Ware in Deutschland oder wandert in polnische, tschechische, französische oder spanische Fulfillment Center. Das hat direkte steuerliche Konsequenzen – dazu später mehr.
Alle Amazon Logistikzentren in Deutschland – vollständige Liste (Stand 2025)
Amazon veröffentlicht keine offizielle, laufend aktualisierte Standortliste. Die folgende Übersicht basiert auf FBA-Versandplänen, öffentlich zugänglichen Gewerbeanmeldungen und Unternehmensregistern (Stand: Anfang 2025). Neue Standorte kommen hinzu, einzelne werden konsolidiert oder geschlossen – Brieselang (BER3) in Brandenburg ist ein bekanntes Beispiel.
Nordrhein-Westfalen hat die höchste Dichte: Fast ein Viertel aller deutschen FCs liegt hier. Kein Zufall – NRW kombiniert Autobahnnähe, Ballungsräume und starke Kaufkraft. Das Ruhrgebiet, Köln-Bonn und der Niederrhein sind logistisch optimal positioniert.
- NRW – Werne: DTM1, Amazonstraße 1, 59368 Werne
- NRW – Dortmund: DTM2, Kaltbandstraße 4, 44145 Dortmund
- NRW – Mönchengladbach: DUS4, Hamburgring 10, 41179 Mönchengladbach
- NRW – Oelde: PAD1, Aurea 10, 59302 Oelde
- NRW – Rheinberg: DUS2, Amazon-Straße 1, 47495 Rheinberg
- Bayern – Gattendorf: NUE1, Amazonstr. 1, 95185 Gattendorf
- Baden-Württemberg – Pforzheim: STR1, Amazon-Straße 1, 75177 Pforzheim
- Niedersachsen – Achim: BRE4, Max-Naumann-Str. 1, 28832 Achim
- Niedersachsen – Großenkneten: BRE2, Vechtaer Str. 35, 26197 Großenkneten
- Niedersachsen – Helmstedt: HAJ1, Zur Alten Molkerei 1, 38350 Helmstedt
- Niedersachsen – Winsen (Luhe): HAM2, Borgwardstraße 10, 21423 Winsen
- Rheinland-Pfalz – Frankenthal: FRA7, Am Römig 5, 67227 Frankenthal
- Rheinland-Pfalz – Kaiserslautern: SCN2, Von-Miller-Straße 24, 67661 Kaiserslautern
- Rheinland-Pfalz – Koblenz: CGN1, Amazon-Straße 1, 56068 Koblenz
- Sachsen – Leipzig: LEJ1, Amazonstraße 1, 04347 Leipzig
- Sachsen-Anhalt – Sülzetal: LEJ3, Bielefelder Str. 9, 39171 Sülzetal
- Thüringen – Gera: LEJ5, Am Steingarten 2, 07754 Gera
- Hessen – Bad Hersfeld: FRA1, Am Schloss Eichhof 3, 36251 Bad Hersfeld
- Hessen – Bad Hersfeld: FRA3, Amazonstrasse 1 / Obere Kühnbach, 36251 Bad Hersfeld
- Brandenburg – Brieselang: BER3, Havellandstraße 5, 14656 Brieselang (Schließung angekündigt)

DACH-Perspektive: Amazon in Österreich und was die Schweiz bedeutet
Österreich hat mit dem Logistikzentrum in Großebersdorf bei Wien (VIE1) einen eigenen FBA-Standort. Wer explizit für amazon.at verkauft und FBA nutzt, kann Ware dorthin senden. Bei Nischenprodukten mit geringem Bestand greift Amazon dennoch auf deutsche FCs zurück, um österreichische Bestellungen zu erfüllen.
Die Schweiz hat kein eigenes Amazon Fulfillment Center. Produkte werden aus deutschen oder österreichischen FCs in die Schweiz geliefert – das verlängert Lieferzeiten und bedeutet Zollaufwand. Wer gezielt Schweizer Kunden bedient, sollte das bei Lieferzeitversprechen und Produktpreisen einkalkulieren.
Für DACH-Seller, die alle drei Märkte abdecken wollen, empfiehlt sich Pan-European FBA mit explizit eingeschränkter Lagergeografie. Das geht in Seller Central unter den FBA-Einstellungen. Ohne diese Einschränkung verteilt Amazon Bestände automatisch in Länder, in denen du dann steuerlich präsent bist – ohne es zu wissen.
Inventory Placement: Wohin geht deine Ware – und kannst du das beeinflussen?
Standardmäßig nutzt Amazon den Distributed Inventory Placement. Du sendest 500 Einheiten ein, Amazon verteilt sie auf mehrere FCs im ganzen Land. Das beschleunigt Lieferzeiten für Kunden, weil immer ein FC in Kundennähe Bestand hat. Für dich als Seller bedeutet das: Du erstellst mehrere Teilsendungen an verschiedene Zieladressen.
Der Inventory Placement Service (IPS) ist die kostenpflichtige Alternative. Du schickst alles an ein einziges FC, Amazon übernimmt die interne Verteilung. Das vereinfacht deinen Prozess, kostet aber pro Einheit – zwischen ca. 0,30 € und 1,30 € je nach Produktgröße (Stand 2024). Der IPS macht vor allem bei hohem Sendungsvolumen aus einem einzigen Produktionsstandort Sinn.
Wichtig: Der IPS ist kein Garant dafür, dass deine Ware dauerhaft in einem FC bleibt. Amazon kann Bestände intern umlagern, wenn das Netzwerk es erfordert. Der Service vereinfacht nur deinen Einlieferungsprozess – nicht die langfristige Lagergeografie.
- Standard (kostenlos): Mehrere Teilsendungen an verschiedene FCs – Amazon optimiert die Verteilung
- Inventory Placement Service (kostenpflichtig): Eine Sendung, ein FC – ca. 0,30 € bis 1,30 € pro Einheit
- Wann IPS sinnvoll: Hohe Volumina aus einer Quelle, komplexe Verpackung, zeitkritische Produkt-Launches
- Wann IPS nicht lohnt: Kleinstmengen, niedrige Marge, einfache Logistik

Automatisierung im Lager: Warum deine Produkte in zwei Stunden versandfertig sind
Amazon betreibt seine Fulfillment Center mit einem hybriden Modell aus menschlicher Arbeit und Robotik. Das Logistikzentrum in Winsen an der Luhe war das erste in Deutschland mit vollständig robotergestützter Lagerhaltung: Rund 3.000 Roboter bewegen dort 30.000 Regale – gesteuert von einem zentralen System, das Kollisionen vermeidet und Wege optimiert.
Besonders interessant ist das Prinzip der randomisierten Lagerung. Amazon legt Produkte nicht nach Kategorie oder Marke ein, sondern rein nach Platzoptimierung. Ein Küchensieb kann direkt neben einem Bestseller-Roman stehen. Das klingt chaotisch, ist aber algorithmisch durchdacht: Jedes Fach wird beim Einräumen gescannt und gespeichert. Das System weiß immer, wo jede einzelne Einheit liegt.
Vom Einlagern bis zum Versand dauert es in effizienten FCs oft nur zwei Stunden. Ein Roboter bringt das richtige Regal zur Packstation, ein Mitarbeitender pickt und scannt das Produkt, verpackt es – der Karton geht direkt auf das Versandband. Dieser Ablauf erklärt, warum Prime-Lieferungen am selben oder nächsten Tag ankommen.
Für FBA-Seller hat das eine praktische Konsequenz: Nach der Lieferung an ein FC dauert es 1 bis 3 Werktage, bis der Bestand in Seller Central aktiviert wird. In Hochsaisonzeiten – Black Friday, Weihnachten, Prime Day – verlängert sich dieses Fenster auf 7 bis 14 Tage. Wer spät einsendet, riskiert leere Regale zur umsatzstärksten Zeit.
Pan-European FBA und die Steuer-Realität: Was DACH-Seller wissen müssen
Pan-European FBA erlaubt Amazon, deine Waren grenzüberschreitend in Europa zu lagern – in Polen, Tschechien, Frankreich, Spanien, Italien und weiteren Ländern. Der Vorteil: lokale Lieferzeiten für europäische Kunden, was die Conversion Rate steigert und die Chance auf die Buy Box erhöht.
Der Nachteil: Sobald deine Ware in einem anderen EU-Land gelagert wird, entsteht dort eine umsatzsteuerliche Betriebsstätte – auch wenn Amazon das automatisch und ohne deine direkte Zustimmung macht. Das bedeutet: Du musst dich in jedem betroffenen Land steuerlich registrieren oder das OSS-Verfahren (One-Stop-Shop) nutzen.
OSS vereinfacht die B2C-Umsatzsteuer in der EU erheblich – eine einzige Meldung beim Bundeszentralamt für Steuern statt sieben Einzelregistrierungen. Aber: OSS deckt nicht alle Fälle ab. B2B-Umsätze, bestimmte Sonderfälle und die Lagersteuer (bei Lagerung im Ausland ohne Verkauf) fallen heraus.
Wer Pan-European FBA aktiviert, ohne die steuerlichen Konsequenzen zu verstehen, riskiert Nachzahlungen, Bußgelder und Buchungsprobleme. Empfehlung: Vor der Aktivierung immer einen auf Amazon spezialisierten Steuerberater einschalten. Alternativ gibt es das Programm Central Europe FBA, das die Lagerung auf Deutschland, Polen und Tschechien begrenzt – weniger Reichweite, aber deutlich überschaubarerer Steueraufwand.
- Pan-European FBA: Lagerung in 7+ EU-Ländern – schnelle Lieferung überall, aber Steuerregistrierung oder OSS erforderlich
- Central Europe FBA: Nur DE/PL/CZ – Kompromiss zwischen Reichweite und steuerlichem Aufwand
- OSS (One-Stop-Shop): Vereinfacht B2C-Umsatzsteuer, ersetzt aber nicht alle Registrierungspflichten
- Nur Deutschland: Möglich, aber Amazon kann Gebühren berechnen, wenn Pan-EU-Optionen für deinen Account aktiv sind

Was passiert mit Retouren – und was kostet dich das wirklich?
Retouren werden nicht im gleichen Fulfillment Center bearbeitet wie die Ausgangsware. Amazon betreibt eigene Retourenzentren, die eingehende Rücksendungen prüfen und kategorisieren. Produkte, die den Qualitätsstandard erfüllen, kommen zurück in den aktiven Bestand – oft in einem anderen FC als zuvor.
Produkte, die nicht mehr als neu verkäuflich sind, werden entweder an dich zurückgeschickt (gegen Gebühr), über Amazon-Liquidationsprogramme verkauft oder vernichtet. Prüfe regelmäßig in Seller Central den Disposable Inventory Report, um den Überblick zu behalten.
Langzeitlagergebühren fallen an, sobald Produkte über 365 Tage im FC liegen – unabhängig davon, ob es sich um Neuware oder Retouren handelt. Wer seinen Bestand nicht aktiv managt, zahlt irgendwann mehr für die Lagerung als das Produkt noch einbringt. Das gilt besonders für saisonale Produkte, die nach dem Peak im Lager vergessen werden.
5 konkrete Strategietipps für FBA-Seller rund um Logistikzentren
Das Wissen über das FC-Netzwerk ist kein reines Technik-Interesse – es hat direkte Auswirkungen auf deine FBA-Performance, deine Lagerkosten und deine Reaktionsfähigkeit bei Engpässen.
- 1. Einsendefristen für Saisonware: Mindestens 4 Wochen vor Peak-Events. In heißen Phasen steigen Einlagerungszeiten auf bis zu 2 Wochen – wer zu spät sendet, hat zur umsatzstärksten Zeit leere Bestände.
- 2. FC-Codes in Versandplänen auswerten: Welche FCs weist dir Amazon regelmäßig zu? Wenn deine Produkte immer nach Leipzig und Bad Hersfeld gehen, bist du für Ostdeutschland und Hessen gut aufgestellt – für Hamburg oder München weniger.
- 3. Inventory Placement Service testen: Mach einen 60-Tage-Test für ein Produkt mit hohem Sendungsvolumen. Vergleiche Kosten (IPS-Gebühr) gegen Zeitersparnis (Sendungsplanung, Logistics). Der Break-even liegt je nach Prozesskosten oft bei 300–500 Einheiten pro Sendung.
- 4. Bestand über mehrere FCs verteilt halten: Wenn alle Bestände in einem einzigen FC landen und dieses FC technische Probleme hat, bist du komplett aus dem Handel. Verteilte Bestände puffern dieses Risiko – Amazon macht das meist automatisch, aber kontrolliere es aktiv.
- 5. Pan-EU bewusst steuern: Nutze die Lagerungspräferenzen in Seller Central aktiv. Wenn du steuerlich nur in Deutschland angemeldet bist, schalte Pan-European FBA aus – nicht erst dann, wenn das Finanzamt fragt.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis meine FBA-Ware nach der Lieferung im Bestand erscheint?
In normalen Zeiten 1 bis 3 Werktage. Während Hochsaisonphasen wie Black Friday oder Prime Day kann es 7 bis 14 Werktage dauern. Amazon verarbeitet in diesen Zeiträumen ein Vielfaches der üblichen Einlieferungsmenge – plane entsprechend früh.
Kann ich wählen, in welches Logistikzentrum meine Waren kommen?
Nein, nicht direkt. Amazon weist FC-Ziele automatisch zu. Mit dem Inventory Placement Service schickst du alles an ein einziges FC, Amazon verteilt dann intern. Die Wahl des Ziel-FCs liegt aber weiterhin bei Amazon.
Was kostet der Inventory Placement Service genau?
Je nach Produktgröße ca. 0,30 € bis 1,30 € pro Einheit (Stand 2024). Die genauen Gebühren findest du in den aktuellen FBA-Tarifen in Seller Central – sie können sich jährlich ändern. Bei kleinen und leichten Produkten lohnt sich der IPS meist erst ab ca. 300 Einheiten pro Sendung.
Muss ich mich in anderen EU-Ländern steuerlich registrieren, wenn Amazon meine Ware dorthin verlagert?
Ja. Sobald deine Ware in einem anderen EU-Land gelagert wird – auch wenn Amazon das automatisch veranlasst – entsteht dort eine steuerliche Betriebsstätte. Ohne OSS-Registrierung oder lokale Umsatzsteuer-ID ist das ein Steuerverstoß. Konsultiere vor Pan-EU-Aktivierung einen Steuerberater.
Was passiert, wenn ein Amazon Logistikzentrum geschlossen wird?
Amazon verlagert den Bestand automatisch auf andere FCs im Netzwerk. Als Seller merkst du das meist nur an neuen FC-Codes in deinen Versandplänen. Lieferzeiten für bestimmte Regionen können sich dabei leicht verschieben.
Warum lagert Amazon Produkte randomisiert und nicht nach Kategorie?
Weil randomisierte Lagerung die Fläche effizienter nutzt und Engpässe bei bestimmten Regal-Zonen vermeidet. Jede Einheit wird beim Einlagern gescannt – das System weiß immer exakt, wo jedes Produkt liegt. Für Kunden und Seller macht der Lagerort keinen Unterschied.
Hat Amazon auch in Österreich ein Fulfillment Center?
Ja. Das FC in Großebersdorf bei Wien (VIE1) bedient primär den österreichischen Markt. Bei geringer Bestandsdichte für bestimmte Produkte greift Amazon aber auch auf deutsche FCs für österreichische Bestellungen zurück.
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