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Amazon Pay Per Click: So baust du profitable Kampagnen auf

Der Praxis-Guide zum Kampagnenaufbau: Struktur, Gebote, ACoS und was du tust, wenn Budget ohne Verkäufe verbrennt.

SN
Sarah Neumann
PPC-Spezialistin
18. Apr 2026 · 12 Min. Lesezeit
Abstrakter Trichter aus geometrischen Blöcken, in dem breiter Traffic auf wenige leuchtende, profitable Suchbegriffe zusammenläuft.
Das Wichtigste in Kürze
  • Rechne zuerst deinen Break-even-ACoS aus. Ohne diese Zahl ist jeder ACoS-Wert aus einem Blogartikel wertlos.
  • ACoS misst nur den Werbeumsatz, TACoS den Gesamtumsatz. Beide zusammen zeigen, ob dein Produkt sich trägt.
  • Wenn eine Kampagne Budget ohne Verkäufe verbrennt, liegt die Ursache meistens im Listing, nicht im Gebot.

Was ist Amazon Pay Per Click?

Amazon Pay Per Click, kurz PPC, ist Amazons eigenes Werbesystem: Du bietest auf Suchbegriffe oder Platzierungen und zahlst erst, wenn jemand tatsächlich auf deine Anzeige klickt. Diese Anzeigen erscheinen mitten in den Suchergebnissen und auf Produktdetailseiten, oft kaum von organischen Treffern zu unterscheiden.

Der Grund, warum PPC für die meisten Seller unverzichtbar geworden ist: Die organische Sichtbarkeit allein reicht selten aus, besonders bei neuen Produkten ohne Verkaufshistorie und Bewertungen. Mit Anzeigen kaufst du dir gezielt Platzierungen für relevante Suchbegriffe und generierst die ersten Verkäufe, die ein Produkt braucht, um überhaupt Fahrt aufzunehmen.

Wichtig ist das Zusammenspiel mit dem organischen Ranking: Verkäufe über Anzeigen fließen in die Verkaufsgeschwindigkeit ein, die Amazon bei der Ranking-Berechnung berücksichtigt. Gut gesteuertes PPC kann so indirekt auch deine unbezahlte Position stärken. PPC ist damit kein reiner Werbekanal, sondern ein Werkzeug für die gesamte Produktsichtbarkeit.

Dieser Guide ist der Praxisteil: Wie du Kampagnen aufsetzt, strukturierst und wieder in den Griff bekommst. Die Frage, ab wann sich dafür ein Tool lohnt, behandeln wir getrennt in Amazon PPC Automatisierung.

Bevor du die erste Kampagne startest

PPC verstärkt, was schon da ist. Es repariert nichts. Ein Klick bringt einen Kunden auf deine Produktseite, und ab dort entscheidet ausschließlich dein Listing, ob aus dem bezahlten Klick ein Verkauf wird. Deshalb ist die Listing-Qualität kein Nebenthema, sondern der größte Hebel auf deine Werbekosten.

Der Zusammenhang ist direkt und unerbittlich. Zahlst du 50 Cent pro Klick und konvertieren 10 % der Besucher, kostet dich ein Verkauf 5 Euro an Werbung. Fällt deine Conversion Rate auf 5 %, kostet derselbe Verkauf 10 Euro — bei identischem Gebot. Du hast an der Kampagne nichts falsch gemacht, dein ACoS hat sich trotzdem verdoppelt. Beispielwerte, aber die Mechanik gilt immer.

Amazon bestraft schwache Listings zusätzlich indirekt: Anzeigen, die selten geklickt und selten gekauft werden, gelten als weniger relevant. Du zahlst dann tendenziell mehr für dieselbe Platzierung als ein Wettbewerber mit besserem Listing. Schlechte Listings sind also doppelt teuer.

Vor der ersten Kampagne gehören deshalb Titel, Bilder, Bullets und Bewertungen auf einen Stand, den du guten Gewissens bewerben kannst. Was dazugehört, steht in unserem Überblick zur Listing-Optimierung und im SEO-Guide.

Erst das Listing, dann das Budget
Wenn dein Listing nur wenige Bewertungen hat, keine ordentlichen Bilder oder einen Preis deutlich über dem Wettbewerb, wird PPC teuer und du lernst nichts daraus. Bring das Listing zuerst auf ein wettbewerbsfähiges Niveau. Andernfalls bezahlst du Traffic, der ohnehin wieder abspringt.

Die drei Kampagnentypen im Überblick

Amazon Advertising kennt drei zentrale Anzeigenformate. Jedes verfolgt einen eigenen Zweck, und ein durchdachter Account nutzt sie in Kombination statt sich auf ein einziges zu verlassen:

1
Sponsored Products
Anzeigen für einzelne Produkte in den Suchergebnissen und auf Detailseiten. Das Arbeitspferd der meisten Accounts, meist mit dem größten Umsatzanteil und der direktesten Wirkung auf Verkäufe.
2
Sponsored Brands
Anzeigen mit Markenlogo, individueller Überschrift und mehreren Produkten, prominent oberhalb der Suchergebnisse. Stärken Markenbekanntheit und lenken Traffic auf ein Sortiment oder den Store. Setzt ein registriertes Markenkonto voraus.
3
Sponsored Display
Anzeigen zum Ausspielen auf und außerhalb von Amazon, unter anderem auf Basis von Zielgruppen und Interessen. Nützlich für Retargeting und um Käufer entlang der gesamten Customer Journey zu erreichen.
Fang mit einem Format an
Wenn du neu startest, nimm Sponsored Products und sonst nichts. Dieses Format liefert die meisten Daten pro ausgegebenem Euro und ist am direktesten mit Verkäufen verknüpft. Brands und Display ergeben Sinn, wenn Sponsored Products stabil läuft und du weißt, welche Suchbegriffe für dich funktionieren.

Kampagnenstruktur: So setzt du zum Start auf

Eine saubere Struktur ist die Voraussetzung dafür, dass du deine Kampagnen später überhaupt sinnvoll steuern kannst. Ein bewährtes Grundprinzip ist die Trennung in eine automatische Kampagne zur Suchbegriff-Recherche und manuelle Kampagnen, in denen du die dort gefundenen, gut konvertierenden Suchbegriffe gezielt weiterverwendest.

Die automatische Kampagne überlässt Amazon die Auswahl der Suchanfragen und fungiert als Discovery-Motor. Aus ihrem Suchbegriff-Bericht ziehst du regelmäßig die Gewinner heraus und überführst sie als Keywords in manuelle Kampagnen, wo du Gebote und Match-Typen präzise kontrollierst. Die identifizierten Verlierer wandern als negative Keywords zurück.

Halte die Struktur dabei so einfach wie möglich und so granular wie nötig. Zu viele winzige Kampagnen zersplittern deine Daten und erschweren belastbare Entscheidungen, während eine zu grobe Struktur dir die Kontrolle über einzelne Suchbegriffe nimmt. Gruppiere nach Produkten oder Themen, die eine ähnliche Marge und ein ähnliches Ziel teilen.

Und eine Warnung zur Geduld, bevor du loslegst: Zwei Wochen sind bei den meisten Produkten die absolute Untergrenze für eine Entscheidung. Wer nach drei Tagen Gebote anfasst, reagiert auf Rauschen. Ein Suchbegriff mit acht Klicks und null Verkäufen sagt statistisch fast nichts aus.

Konkret für den Start, pro Produkt und in dieser Reihenfolge:

1
Erstens: eine automatische Kampagne
Ein Produkt, ein niedriges bis mittleres Gebot, ein Budget, das du zwei bis drei Wochen durchhalten kannst. Sie ist deine Datenquelle, nicht dein Umsatzbringer.
2
Zweitens: eine manuelle Kampagne mit Exact Match
Hier kommen die Suchbegriffe rein, die du bereits sicher weißt: dein Produkttyp, die naheliegenden Varianten. Wenige Keywords, enge Kontrolle.
3
Drittens: eine manuelle Kampagne mit Phrase oder Broad
Für die Umgebung deiner Kernbegriffe. Sie fängt Varianten ab, die dir selbst nicht eingefallen wären, ohne so breit zu streuen wie die automatische.
4
Viertens: nach zwei bis drei Wochen umschichten
Suchbegriffe mit Verkäufen wandern aus Auto und Broad in die Exact-Kampagne. Suchbegriffe mit vielen Klicks und null Verkäufen werden negativ ausgeschlossen.
5
Fünftens: erst danach ausbauen
Weitere Produkte, weitere Formate, höhere Budgets. Nicht vorher, sonst multiplizierst du nur einen Fehler.

Keyword-Targeting und Match-Typen verstehen

Bei manuellen Kampagnen legst du selbst fest, für welche Suchbegriffe deine Anzeige erscheint. Über die Match-Typen steuerst du dabei, wie eng die tatsächliche Suchanfrage zu deinem hinterlegten Keyword passen muss. Das ist der Hebel, um Streuverluste zu begrenzen.

Broad Match spielt deine Anzeige bei weit gefassten Varianten aus, inklusive Synonymen und verwandten Begriffen, und liefert viel Reichweite zum Entdecken neuer Suchbegriffe. Phrase Match verlangt, dass die Wortgruppe in der Suchanfrage vorkommt, und ist präziser. Exact Match löst nur bei praktisch identischer Suchanfrage aus und eignet sich, um bewährte Suchbegriffe eng und effizient zu bespielen.

Der wichtigste Unterschied im Alltag ist nicht die Definition, sondern der Zweck. Broad und Auto sind zum Lernen da und dürfen einen höheren ACoS haben. Exact ist zum Verdienen da und sollte profitabel laufen. Wer beide am selben ACoS-Ziel misst, schaltet entweder seine Discovery ab oder lässt seine Gewinner zu klein.

Eine Verwechslung, die viele Auswertungen ruiniert: Keyword ist das, worauf du bietest. Suchbegriff ist das, was der Kunde tatsächlich getippt hat. Bei Exact Match sind beide fast identisch, bei Broad können hinter einem Keyword hunderte Suchbegriffe stecken. Optimiert wird immer auf Basis des Suchbegriff-Berichts, nie auf Basis der Keyword-Liste.

Negative Keywords: der unterschätzte Hebel

Negative Keywords schließen Suchbegriffe aus, die zwar Klicks, aber keine passenden Käufer bringen. Sie sind die langweiligste Aufgabe im PPC-Alltag und gleichzeitig die mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung. Jeder ausgeschlossene Fehltreffer ist Budget, das direkt in deine funktionierenden Suchbegriffe fließt.

Typische Kandidaten findest du im Suchbegriff-Bericht in wenigen Minuten. Es sind fast immer dieselben Muster: falsche Produktvariante, falsche Größe oder Farbe, Suche nach Zubehör statt Hauptprodukt, Suche nach einer fremden Marke, Suche nach „gebraucht“ oder „günstig“, wenn du das Premium-Segment bedienst. All das erzeugt Klicks von Leuten, die dein Produkt nie kaufen wollten.

Beim Ausschließen hast du zwei Stufen. Negative Exact blockt genau eine Suchanfrage und ist das Skalpell. Negative Phrase blockt alles, was diese Wortgruppe enthält, und ist der Hammer. Nimm im Zweifel Exact. Ein zu breit gesetztes Negative Phrase kann still und leise deine besten Suchbegriffe mit abschalten, und das merkst du erst Wochen später am eingebrochenen Umsatz.

Zur Frage, wann etwas negativ wird: Warte auf genug Klicks, um überhaupt eine Aussage treffen zu können. Eine brauchbare Faustregel ist, den Klickpreis mit der Klickzahl zu multiplizieren und mit deinem Deckungsbeitrag pro Verkauf zu vergleichen. Hat ein Suchbegriff mehr Werbekosten verursacht, als dir ein Verkauf einbringen würde, und trotzdem null Verkäufe geliefert, ist die Sache klar.

Und ein Detail, das oft vergessen wird: Negative Keywords gelten pro Kampagne oder pro Anzeigengruppe, nicht kontoweit. Was du in der Auto-Kampagne ausschließt, läuft in der Broad-Kampagne munter weiter.

Zwanzig Minuten pro Woche
Nimm dir wöchentlich den Suchbegriff-Bericht der letzten 30 Tage, sortiere nach Ausgaben absteigend und schau dir die obersten Zeilen ohne Verkäufe an. Mehr braucht es für die Basispflege nicht. Diese zwanzig Minuten sind bei den meisten Accounts die profitabelste Zeit der Woche.

Gebote steuern und Budget verteilen

Dein Gebot ist der Maximalbetrag, den du für einen Klick zu zahlen bereit bist. Amazon arbeitet mit einem Auktionsmodell, bei dem unter anderem Gebot und Relevanz über Platzierung und tatsächlichen Klickpreis entscheiden. Höhere Gebote erhöhen die Chance auf Top-Platzierungen, treiben aber auch die Kosten.

Als Orientierung kannst du dein Startgebot aus deiner Zielrentabilität ableiten: Aus dem Produktpreis, der Marge, der erwarteten Conversion Rate und deinem Ziel-ACoS lässt sich ein wirtschaftlich vertretbares Gebot grob abschätzen. Danach zählt vor allem, konsequent nachzujustieren, statt einmal gesetzte Gebote laufen zu lassen.

1
Nach Platzierung anpassen
Amazon erlaubt Gebotsaufschläge für bestimmte Platzierungen, etwa den oberen Bereich der ersten Suchergebnisseite, der oft am besten konvertiert.
2
Datenbasiert nachschärfen
Erhöhe Gebote für Suchbegriffe mit gutem ACoS und starker Conversion, senke sie dort, wo viel Budget ohne Verkäufe verbrennt.
3
Budget auf Gewinner lenken
Verlagere Tagesbudgets zu den Kampagnen mit der besten Rentabilität, statt schwache Kampagnen künstlich am Leben zu halten.
4
Dynamische Gebote nutzen
Amazons Gebotsstrategien können Gebote je nach Conversion-Wahrscheinlichkeit automatisch anheben oder senken. Wähle die Strategie passend zum Kampagnenziel.
5
In Schritten ändern, nicht in Sprüngen
Bewege Gebote um 10 bis 20 Prozent und warte die Wirkung ab. Wer verdoppelt oder halbiert, startet die Lernphase faktisch neu und weiß am Ende nicht, was gewirkt hat.
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ACoS und TACoS: der Unterschied, den fast alle verwechseln

Der ACoS (Advertising Cost of Sales) setzt deine Werbeausgaben ins Verhältnis zu dem Umsatz, den genau diese Anzeigen erzeugt haben. 200 Euro Werbekosten bei 1.000 Euro Werbeumsatz sind 20 % ACoS. Organische Verkäufe kommen in dieser Rechnung überhaupt nicht vor.

Der TACoS (Total Advertising Cost of Sales) nimmt dieselben Werbeausgaben und teilt sie durch deinen gesamten Umsatz, organisch plus bezahlt. Dieselben 200 Euro bei 4.000 Euro Gesamtumsatz sind 5 % TACoS.

Der Unterschied ist also nicht die Formel, sondern der Nenner. Und genau daraus folgt, was die Zahlen dir sagen: Der ACoS beantwortet, ob eine Anzeige effizient ist. Der TACoS beantwortet, ob dein Produkt gesund ist.

Beide zusammen zu lesen ist der eigentliche Trick. Steigt der ACoS, während der TACoS fällt, ist das meistens eine gute Nachricht: Deine Anzeigen werden zwar teurer, aber dein organischer Anteil wächst schneller. Fallen beide, läuft es rund. Steigen beide, hast du ein Problem — und zwar eher am Produkt als an der Kampagne. Fällt der ACoS, während der TACoS steigt, bist du vermutlich zu vorsichtig geworden: Du erntest nur noch die sicheren Suchbegriffe, und dein organisches Ranking rutscht mangels Verkaufsgeschwindigkeit ab.

Ein sinkender TACoS bei stabilem oder wachsendem Umsatz ist das Signal, auf das du hinarbeitest. Es bedeutet, dass dein Produkt sich zunehmend selbst trägt und Werbung vom Lebenserhaltungssystem zum Verstärker wird. Wie du diese Kennzahlen sauber zusammen mit deinen echten Kosten führst, steht im Profit-Tracking.

Merksatz
ACoS misst die Anzeige. TACoS misst das Geschäft. Wer nur den ACoS optimiert, kann ihn immer auf null bringen, indem er die Werbung abschaltet. Das ist selten die beste Entscheidung.

Break-even-ACoS: die Zahl, ohne die alles Raten ist

Die Frage „Was ist ein guter ACoS?“ hat keine allgemeine Antwort, und jede Zahl, die dir jemand nennt, ist für dein Produkt erst mal wertlos. Auch unsere. Die einzige Zahl, die zählt, ist dein eigener Break-even-ACoS: der Punkt, an dem ein zusätzlicher Werbeverkauf dir genau null Gewinn bringt.

Die Rechnung ist simpel. Break-even-ACoS ist dein Deckungsbeitrag vor Werbung, geteilt durch deinen Verkaufspreis. Alles darunter ist profitabel, alles darüber kostet dich pro Verkauf Geld.

Ein Rechenbeispiel mit Beispielwerten: Ein Produkt verkaufst du für 30 Euro. Amazon-Gebühren, Versand und Einkauf fressen davon 22,50 Euro, dein Deckungsbeitrag vor Werbung liegt also bei 7,50 Euro. 7,50 geteilt durch 30,00 ergibt einen Break-even-ACoS von 25 %. Dein Rechenweg bleibt derselbe, nur die Zahlen sind deine.

Jetzt wird es interessant. Ein ACoS von 20 % klingt erst mal gut, ist bei diesem Produkt aber nur knapp profitabel: Von 30 Euro Umsatz gehen 6 Euro an Werbung, bleiben 1,50 Euro Gewinn. Ein ACoS von 30 % wäre bereits ein Verlustgeschäft. Bei einem Produkt mit deutlich höherer Marge würde dieselbe Kampagne dagegen noch komfortabel verdienen. Der gleiche ACoS ist bei zwei Produkten zwei völlig verschiedene Ergebnisse.

Genau hier steckt die Denkfalle, die die meisten teuer bezahlen: Ein Ziel-ACoS wird aus einem Blogartikel oder aus dem Gefühl gesetzt. Danach wird eine Kampagne für „zu teuer“ erklärt, die in Wahrheit Gewinn abwirft. Oder eine für „gut“ gehalten, die still Geld verbrennt.

Und ein zweiter Punkt: Der Break-even-ACoS ist nicht automatisch dein Ziel-ACoS. Bei einer Produkteinführung darfst du bewusst darüber liegen, weil du Verkaufsgeschwindigkeit und Bewertungen kaufst, die später organisch zurückkommen. Bei einem etablierten Produkt willst du deutlich darunter liegen. Der Unterschied ist, dass du in beiden Fällen weißt, was du tust.

Zum Vorgehen, damit die Zahl auch belastbar bleibt:

1
Pro Produkt rechnen, nicht fürs Sortiment
Ein Sortimentsdurchschnitt verwischt genau die Unterschiede, auf die es ankommt. Zwei Produkte mit demselben Preis können völlig verschiedene Break-even-Werte haben.
2
Alle Gebühren einbeziehen
Verkaufsprovision, FBA-Gebühren, Lagerkosten, Versand zum Lager, Einkaufspreis. Was du vergisst, macht deinen Break-even zu hoch und deine Entscheidungen falsch.
3
Retouren abziehen
Die Werbekosten für einen retournierten Verkauf bekommst du nicht zurück. Bei nennenswerter Retourenquote verschiebt das dein Ergebnis deutlich.
4
Neu rechnen bei jeder Änderung
Neue Gebühren, neuer Einkaufspreis, neuer Verkaufspreis: Die Zahl aus dem letzten Jahr ist nicht mehr deine Zahl.
Trau keiner ACoS-Zahl aus einem Blogartikel
Auch keiner aus diesem. Wenn irgendwo steht, 15 oder 25 Prozent seien der richtige ACoS, dann kennt derjenige weder deine Marge noch deine Gebühren noch deine Retourenquote. Die Zahl, die für dich gilt, steht in deinen eigenen Berichten. Rechne sie einmal aus, dann brauchst du niemanden mehr zu fragen.

Kampagne verbrennt Budget ohne Verkäufe: Ursache finden

Das ist die Situation, in der die meisten Seller landen und in der am meisten Geld verloren geht: Das Budget ist jeden Tag aufgebraucht, die Klicks laufen, Verkäufe kommen keine. Der Reflex ist, am Gebot zu drehen. Das ist fast immer der falsche erste Schritt.

Geh stattdessen diese Reihenfolge von oben nach unten durch. Der erste Treffer ist in der Regel die Ursache, und du kannst aufhören zu suchen.

Die häufigste Antwort ist übrigens die unspektakulärste: Das Listing konvertiert nicht. Nicht das Gebot, nicht die Struktur, nicht Amazon. Erst wenn alle sieben Punkte sauber sind und die Kampagne trotzdem Geld ohne Verkäufe frisst, ist das Gebot dran. In der Praxis passiert das selten.

1
Sind es überhaupt genug Klicks für eine Aussage?
Bei einer Conversion Rate von 10 % ist es nach zehn Klicks ohne Verkauf statistisch völlig normal, keinen Verkauf zu haben. Wer hier eingreift, reagiert auf Zufall. Warte auf eine Datenmenge, die zu deiner erwarteten Conversion Rate passt.
2
Passen die Suchbegriffe zum Produkt?
Öffne den Suchbegriff-Bericht, nicht die Keyword-Liste. Wenn dort Zubehör-Suchen, fremde Marken oder die falsche Größe stehen, ist das Geld nicht verbrannt, sondern falsch adressiert. Das lösen negative Keywords, kein Gebot.
3
Bist du überhaupt lagernd und hast die Buy Box?
Ohne Buy Box führt deine Anzeige ins Leere: Der Klick kostet, der Kauf-Button gehört jemand anderem. Prüfe das zuerst bei jedem ASIN mit Wettbewerbern. Details im Guide zur <a href="blog/artikel/amazon-buy-box">Amazon Buy Box</a>.
4
Wie sieht dein Listing im Vergleich aus?
Öffne deine Anzeige als Kunde und daneben die drei Wettbewerber, die auf demselben Suchbegriff werben. Preis, Hauptbild, Bewertungszahl. Wenn du in zwei von drei Punkten schlechter dastehst, ist das deine Ursache.
5
Stimmt der Preis?
PPC kann keinen Preis ausgleichen, der 20 % über dem Wettbewerb liegt. Der Kunde vergleicht auf der Suchergebnisseite, bevor er klickt, und spätestens auf der Detailseite.
6
Läuft das Budget mittags leer?
Wenn dein Tagesbudget früh aufgebraucht ist, kaufst du nur die Traffic-Stunden ein, die zufällig zuerst kommen. Das verzerrt jede Auswertung. Entweder Budget hoch oder Zielgruppe enger fassen.
7
Ist das Produkt saisonal oder gerade schwach?
Ein Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum spart dir manchmal die ganze Fehlersuche. Nicht jeder Einbruch ist selbst gemacht.

Fazit

Profitables Amazon PPC ist selten das Ergebnis eines einzelnen Kniffs, sondern das Zusammenspiel aus klarer Kampagnenstruktur, passenden Match-Typen, diszipliniertem Gebotsmanagement und konsequenter Suchbegriff-Pflege. Wer diese Hebel versteht und regelmäßig nachjustiert, verwandelt Werbeausgaben von einem Kostenblock in einen kalkulierbaren Wachstumsmotor.

Wenn du aus diesem Guide nur eine Sache mitnimmst: Rechne deinen Break-even-ACoS aus, pro Produkt. Ohne diese Zahl ist jede Optimierung ein Ratespiel, und jede ACoS-Empfehlung aus einem Blogartikel ist für dich wertlos — unsere eingeschlossen. Deine Zahlen stehen in deinen Berichten, nicht in unserem Text.

Weil sich Auktionen, Suchbegriffe und Wettbewerb ständig verändern, ist laufende Optimierung entscheidend, und genau die skaliert manuell kaum. Wie weit KI diese Arbeit inzwischen übernimmt, zeigt unser Deep Dive zum Amazon Ads Agent. Der Sellercore Ads Optimizer analysiert deine Kampagnen fortlaufend, deckt schwache Suchbegriffe und Budgetlecks auf und hilft dir, Gebote datenbasiert auf einen ACoS auszurichten, der zu deiner Marge passt.

Häufige Fragen

Was ist ein guter ACoS bei Amazon?
Es gibt keinen allgemeingültigen Wert, und jede Zahl, die dir jemand ohne Kenntnis deiner Marge nennt, ist geraten. Der einzige belastbare Maßstab ist dein Break-even-ACoS: dein Deckungsbeitrag vor Werbung geteilt durch deinen Verkaufspreis. Bei 25 % Break-even ist ein ACoS von 20 % profitabel, bei 40 % Break-even wäre er komfortabel. Rechne die Zahl pro Produkt aus, nicht fürs Sortiment.
Was ist der Unterschied zwischen ACoS und TACoS?
Beide teilen deine Werbekosten durch einen Umsatz, aber durch einen unterschiedlichen. Der ACoS nimmt nur den Umsatz, den die Anzeigen selbst erzeugt haben, und misst damit die Effizienz der Werbung. Der TACoS nimmt deinen Gesamtumsatz inklusive organischer Verkäufe und misst damit die Gesundheit des Produkts. Ein steigender ACoS bei fallendem TACoS ist meistens ein gutes Zeichen: Der organische Anteil wächst.
Warum bekomme ich Klicks, aber keine Verkäufe?
In den meisten Fällen liegt es nicht an der Kampagne, sondern am Listing oder am Preis. Ein Klick bringt den Kunden nur auf deine Produktseite, ab dort entscheiden Bilder, Bewertungen und Preis. Prüfe zuerst, ob überhaupt genug Klicks für eine Aussage vorliegen, dann den Suchbegriff-Bericht auf unpassende Suchanfragen, dann dein Listing im direkten Vergleich mit den Wettbewerbern auf demselben Suchbegriff.
Wie viele negative Keywords brauche ich?
So viele, wie der Suchbegriff-Bericht hergibt, aber keins auf Verdacht. Schließe einen Suchbegriff aus, wenn er mehr Werbekosten verursacht hat, als dir ein Verkauf an Deckungsbeitrag einbringen würde, und trotzdem null Verkäufe geliefert hat. Nimm im Zweifel Negative Exact statt Negative Phrase: Ein zu breit gesetztes Phrase-Negativ schaltet unbemerkt auch gute Suchbegriffe ab.
Wie lange muss ich eine neue Kampagne laufen lassen, bevor ich sie ändere?
Zwei bis drei Wochen sind bei den meisten Produkten die Untergrenze für eine belastbare Entscheidung. Vorher hast du zu wenig Klicks, um Signal von Rauschen zu unterscheiden. Wer nach drei Tagen Gebote anfasst, startet die Lernphase immer wieder neu und sammelt nie genug Daten. Ändere danach in Schritten von 10 bis 20 Prozent statt in Sprüngen, sonst weißt du hinterher nicht, was gewirkt hat.
Brauche ich PPC auch, wenn mein Produkt organisch gut rankt?
Meistens ja, aber mit anderem Ziel. Bei einem gut rankenden Produkt geht es nicht mehr darum, Verkäufe zu kaufen, sondern die Position gegen Wettbewerber zu verteidigen, die auf deinen Markennamen und deine Kernbegriffe werben. Hier ist der TACoS die relevante Kennzahl: Solange er niedrig bleibt und der Gesamtumsatz stabil ist, arbeitet die Werbung für dich.
SN
Sarah Neumann · PPC-Spezialistin
Schreibt bei Sellercore über Amazon-Strategie, Automatisierung und E-Commerce.

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