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Internationalisierung: Expansion auf europäische Amazon-Marktplätze

SC
Sellercore Team
5. November 2024 9 Min. Lesezeit

Der deutsche Markt ist oft der erste Schritt für Amazon Seller. Doch Europa bietet ein Vielfaches des Potenzials. Dieser Guide zeigt, wie du erfolgreich auf weitere EU-Marktplätze expandierst.

Die europäischen Marktplätze

🇬🇧

UK (amazon.co.uk)

  • • Größter EU-Marktplatz (vor Brexit)
  • • Eigene Zollabwicklung seit Brexit
  • • Englischsprachig
  • • Umsatzsteuerpflicht ab £0
🇫🇷

Frankreich (amazon.fr)

  • • Zweitgrößter EU-Marktplatz
  • • Französisch erforderlich
  • • EPR-Registrierung Pflicht
  • • 20% TVA (MwSt)
🇮🇹

Italien (amazon.it)

  • • Wachsender Markt
  • • Italienisch erforderlich
  • • 22% IVA (MwSt)
  • • Längere Zahlungszyklen
🇪🇸

Spanien (amazon.es)

  • • Starkes Wachstum
  • • Spanisch erforderlich
  • • 21% IVA (MwSt)
  • • Preissensitiver Markt
🇳🇱

Niederlande (amazon.nl)

  • • Relativ neuer Marktplatz
  • • Niederländisch + Englisch
  • • 21% BTW (MwSt)
  • • Wenig Wettbewerb
🇵🇱

Polen (amazon.pl)

  • • Neuester EU-Marktplatz
  • • Polnisch erforderlich
  • • 23% VAT (MwSt)
  • • Sehr preissensitiv

Fulfillment-Optionen

Option 1: Pan-EU (empfohlen)

Amazon verteilt dein Inventar automatisch auf Lager in ganz Europa:

  • Vorteile: Schnelle Lieferung in alle Länder, Prime-Badge überall
  • Nachteile: Inventar an mehreren Orten, komplexere Steuer
  • Kosten: Normale FBA-Gebühren, keine Extra-Kosten für Verteilung
Empfehlung: Pan-EU ist für die meisten Seller der beste Weg. Du erreichst alle Märkte mit schneller Lieferung und hast nur ein Inventar zu managen.

Option 2: EFN (European Fulfillment Network)

Dein Inventar bleibt in Deutschland, Amazon versendet grenzüberschreitend:

  • Vorteile: Einfache Steuersituation, nur ein Lagerort
  • Nachteile: Längere Lieferzeiten, höhere Versandkosten, kein Prime in allen Ländern
  • Kosten: Zusätzliche Cross-Border Gebühren (ca. 4-8 € pro Einheit)

Option 3: Multi-Country Inventory (MCI)

Du sendest manuell Inventar an spezifische Länder:

  • Vorteile: Volle Kontrolle über Inventarverteilung
  • Nachteile: Manueller Aufwand, separate Shipments
  • Kosten: Normale FBA-Gebühren pro Land

Steuern & Compliance

Wichtig: Seit 2021 gilt das OSS-Verfahren (One-Stop-Shop). Du musst dich bei Überschreitung von 10.000 € Gesamtumsatz in andere EU-Länder entweder für OSS registrieren oder lokale Umsatzsteuer-IDs in jedem Land haben.

Umsatzsteuer-Optionen

OSS (One-Stop-Shop)

  • ? Eine Meldung für alle EU-Länder
  • ? Keine lokale Registrierung nötig
  • ? Nicht für lokale Lagerung geeignet
  • ? Nur für B2C-Verkäufe

Lokale VAT-Registrierung

  • ? Pflicht bei Pan-EU mit lokaler Lagerung
  • ? Vorsteuerabzug möglich
  • ? Mehr Buchhaltungsaufwand
  • ? Kosten ca. 100-300€/Land/Jahr

EPR (Extended Producer Responsibility)

Für Verpackungen in FR, DE, ES musst du dich bei lokalen Systemen registrieren:

  • Deutschland: LUCID (zentrale Stelle Verpackungsregister)
  • Frankreich: CITEO oder Leko
  • Spanien: Ecoembes

Listing-Lokalisierung

Erfolg auf internationalen Märkten erfordert mehr als nur Übersetzung:

Was du anpassen musst

  • Titel: Lokale Keyword-Recherche, nicht 1:1 Übersetzung
  • Bullet Points: Kulturell angepasste Benefits
  • A+ Content: Bilder mit lokalem Text
  • Backend Keywords: Komplett neue Recherche pro Land
Tipp: Nutze nie die automatische Amazon-Übersetzung für live Listings. Sie ist oft fehlerhaft und unprofessionell. Investiere in Muttersprachler.

Preisanpassungen

Preise sind nicht 1:1 übertragbar:

  • UK: Nach Brexit oft +10-15% durch Zoll
  • IT/ES: Preissensitiver, teils -5-10% vs. DE
  • FR: Ähnliches Preisniveau wie DE
  • PL: Deutlich niedriger, -20-30%

Sonderfall UK nach Brexit

UK ist seit Brexit kein EU-Land mehr. Das bedeutet:

  • Zollanmeldung: Für jede Sendung nach UK erforderlich
  • Importsteuer: 20% VAT bei einführ
  • Eigenes Lager: FBA UK ist separates Inventar
  • VAT-Registrierung: Ab £0 Umsatz Pflicht
Achtung: Amazon bietet keinen automatischen Inventar-Transfer zwischen EU und UK mehr an. Du musst UK separat befüllen.

Schritt-für-Schritt Expansion

1
Marktpotenzial analysieren
Prüfe Nachfrage und Wettbewerb auf den Zielmärkten
2
Steuerliche Vorbereitung
OSS oder lokale VAT-Registrierung einrichten
3
Listings lokalisieren
Professionelle Übersetzung + lokale Keyword-Recherche
4
Fulfillment einrichten
Pan-EU aktivieren oder EFN testen
5
PPC starten
Lokale Kampagnen mit angepassten Keywords
6
Monitoren & Optimieren
Performance pro Marktplatz tracken und anpassen

Fazit

Die Expansion auf weitere EU-Marktplätze kann deinen Umsatz verdoppeln. Die wichtigsten Punkte:

  1. Pan-EU ist der einfachste Weg für schnelle Lieferung in alle Länder
  2. Steuer muss geklärt sein – OSS oder lokale VAT-Registrierung
  3. Listings professionell lokalisieren – keine automatische Übersetzung
  4. UK ist ein Sonderfall – separates Inventar und Zoll beachten
  5. EPR-Registrierung nicht vergessen – Verpackungspflichten in FR, DE, ES

Internationale Märkte im Blick

Mit Sellercore trackst du alle EU-Marktplätze in einem Dashboard.

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