"Sollte ich auf weitere Marktplätze expandieren?" Diese Frage hören wir oft. Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. In diesem Artikel analysieren wir, wann Multi-Channel Sinn macht - und wann nicht.
Die Realität von Multi-Channel
Lass uns zunächst die Fakten betrachten:
| Marktplatz | Marktanteil DE | Aufwand |
|---|---|---|
| Amazon | ~50% | Mittel |
| eBay | ~25% | Mittel |
| Otto | ~8% | Hoch |
| Kaufland | ~4% | Mittel |
| Sonstige | ~13% | Variabel |
Amazon dominiert den deutschen Markt. Das bedeutet: Jeder Euro Umsatz auf anderen Plattformen erfordert proportional mehr Aufwand.
Wann Amazon Only sinnvoll ist
✅ Bleib bei Amazon wenn:
- Du noch unter 500k€ Jahresumsatz bist: Fokussiere dich auf ein Kanal bis er optimiert ist
- Deine Amazon-Prozesse nicht sauber laufen: Erst intern optimieren, dann expandieren
- Du wenig Ressourcen hast: Multi-Channel bindet Zeit und Personal
- Deine Produkte Amazon-typisch sind: Elektronik, Haushalt, etc. performen auf Amazon am besten
Wann Multi-Channel sinnvoll ist
✅ Expandiere wenn:
- Du Amazon gemeistert hast: Stabile Prozesse, gute Marge, automatisierte Abläufe
- Du Team-Kapazität hast: Jemand der sich dediziert um neue Kanäle kümmert
- Deine Produkte kanalübergreifend funktionieren: Mode auf Zalando, Möbel auf Otto
- Du Risiko diversifizieren willst: Amazon-Abhängigkeit reduzieren
- Du spezifische Zielgruppen erreichen willst: Andere Demografien auf anderen Plattformen
Die wichtigsten Kanäle im Überblick
eBay
Der zweitgrößte Marktplatz in Deutschland. Gut für:
- Gebrauchte Waren und Restposten
- Sammlerstücke und Nischenprodukte
- Preissensible Käufer
Herausforderung: Niedrigere Durchschnittspreise, preissensitive Käufer.
Kaufland (ehem. Real.de)
Stark wachsende Plattform mit gutem Support:
- Weniger Wettbewerb als Amazon
- Gute Integration in Kaufland-Filialen
- Faire Konditionen für Seller
Herausforderung: Noch geringere Reichweite, Logistik selbst organisieren.
Otto
Premium-Plattform mit hohen Anforderungen:
- Kaufkräftige Zielgruppe
- Weniger Preisdruck als auf Amazon
- Stark in Mode, Möbel, Lifestyle
Herausforderung: Strenge Aufnahmeanforderungen, hoher Onboarding-Aufwand.
So expandierst du richtig
Phase 1: Vorbereitung
- Amazon-Prozesse dokumentieren und optimieren
- Produktdaten in standardisiertem Format bereitstellen
- Lagerkapazität und Fulfillment-Optionen prüfen
- Ressourcen planen (Personal, Zeit, Budget)
Phase 2: Pilotierung
- Mit einem Kanal starten (nicht allen gleichzeitig!)
- Top 20 Produkte zuerst listen
- 3-6 Monate Testphase
- Performance messen und vergleichen
Phase 3: Skalierung
- Erfolgreiche Produkte auf weitere Kanäle ausrollen
- Tools für Multi-Channel-Management einsetzen
- Zentrales Inventory Management aufbauen
Tools für Multi-Channel
Wenn du Multi-Channel machst, brauchst du Tools zur Zentralisierung:
- Inventory Management: Ein System für alle Kanäle
- Listing-Tools: Produktdaten zentral pflegen
- Order Management: Alle Bestellungen an einem Ort
- Repricing: Kanalübergreifende Preisstrategie
Mit Sellercore kannst du Amazon professionell managen und hast die Basis für spätere Multi-Channel Expansion.
Fazit
Unsere ehrliche Empfehlung:
- Unter 500k€ Umsatz: Fokussiere dich auf Amazon
- 500k - 2M€: Prüfe ob Expansion Sinn macht
- Über 2M€: Multi-Channel wahrscheinlich sinnvoll zur Diversifizierung
Am Ende gilt: Ein gut optimierter Amazon-Kanal schlägt fünf schlecht gepflegte Marktplätze.