Strategie

Multi-Channel vs. Amazon Only: Eine ehrliche Analyse

Amko Amko by Sellercore
15. Dezember 2024 6 Min. Lesezeit

"Sollte ich auf weitere Marktplätze expandieren?" Diese Frage hören wir oft. Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. In diesem Artikel analysieren wir, wann Multi-Channel Sinn macht - und wann nicht.

Die Realität von Multi-Channel

Lass uns zunächst die Fakten betrachten:

Marktplatz Marktanteil DE Aufwand
Amazon ~50% Mittel
eBay ~25% Mittel
Otto ~8% Hoch
Kaufland ~4% Mittel
Sonstige ~13% Variabel

Amazon dominiert den deutschen Markt. Das bedeutet: Jeder Euro Umsatz auf anderen Plattformen erfordert proportional mehr Aufwand.

Wann Amazon Only sinnvoll ist

✅ Bleib bei Amazon wenn:

  • Du noch unter 500k€ Jahresumsatz bist: Fokussiere dich auf ein Kanal bis er optimiert ist
  • Deine Amazon-Prozesse nicht sauber laufen: Erst intern optimieren, dann expandieren
  • Du wenig Ressourcen hast: Multi-Channel bindet Zeit und Personal
  • Deine Produkte Amazon-typisch sind: Elektronik, Haushalt, etc. performen auf Amazon am besten
Die 80/20 Regel: Viele Seller erzielen 80%+ ihres Umsatzes auf Amazon. Die verbleibenden 20% auf anderen Kanälen kosten aber 50%+ des Gesamtaufwands.

Wann Multi-Channel sinnvoll ist

✅ Expandiere wenn:

  • Du Amazon gemeistert hast: Stabile Prozesse, gute Marge, automatisierte Abläufe
  • Du Team-Kapazität hast: Jemand der sich dediziert um neue Kanäle kümmert
  • Deine Produkte kanalübergreifend funktionieren: Mode auf Zalando, Möbel auf Otto
  • Du Risiko diversifizieren willst: Amazon-Abhängigkeit reduzieren
  • Du spezifische Zielgruppen erreichen willst: Andere Demografien auf anderen Plattformen

Die wichtigsten Kanäle im Überblick

eBay

Der zweitgrößte Marktplatz in Deutschland. Gut für:

  • Gebrauchte Waren und Restposten
  • Sammlerstücke und Nischenprodukte
  • Preissensible Käufer

Herausforderung: Niedrigere Durchschnittspreise, preissensitive Käufer.

Kaufland (ehem. Real.de)

Stark wachsende Plattform mit gutem Support:

  • Weniger Wettbewerb als Amazon
  • Gute Integration in Kaufland-Filialen
  • Faire Konditionen für Seller

Herausforderung: Noch geringere Reichweite, Logistik selbst organisieren.

Otto

Premium-Plattform mit hohen Anforderungen:

  • Kaufkräftige Zielgruppe
  • Weniger Preisdruck als auf Amazon
  • Stark in Mode, Möbel, Lifestyle

Herausforderung: Strenge Aufnahmeanforderungen, hoher Onboarding-Aufwand.

So expandierst du richtig

Phase 1: Vorbereitung

  1. Amazon-Prozesse dokumentieren und optimieren
  2. Produktdaten in standardisiertem Format bereitstellen
  3. Lagerkapazität und Fulfillment-Optionen prüfen
  4. Ressourcen planen (Personal, Zeit, Budget)

Phase 2: Pilotierung

  1. Mit einem Kanal starten (nicht allen gleichzeitig!)
  2. Top 20 Produkte zuerst listen
  3. 3-6 Monate Testphase
  4. Performance messen und vergleichen

Phase 3: Skalierung

  1. Erfolgreiche Produkte auf weitere Kanäle ausrollen
  2. Tools für Multi-Channel-Management einsetzen
  3. Zentrales Inventory Management aufbauen
Warnung: Unterschätze nicht den Aufwand! Jeder neue Kanal bedeutet: Neue API, neue Prozesse, neuer Kundenservice, neue Steuerthemen.

Tools für Multi-Channel

Wenn du Multi-Channel machst, brauchst du Tools zur Zentralisierung:

  • Inventory Management: Ein System für alle Kanäle
  • Listing-Tools: Produktdaten zentral pflegen
  • Order Management: Alle Bestellungen an einem Ort
  • Repricing: Kanalübergreifende Preisstrategie

Mit Sellercore kannst du Amazon professionell managen und hast die Basis für spätere Multi-Channel Expansion.

Fazit

Unsere ehrliche Empfehlung:

  1. Unter 500k€ Umsatz: Fokussiere dich auf Amazon
  2. 500k - 2M€: Prüfe ob Expansion Sinn macht
  3. Über 2M€: Multi-Channel wahrscheinlich sinnvoll zur Diversifizierung

Am Ende gilt: Ein gut optimierter Amazon-Kanal schlägt fünf schlecht gepflegte Marktplätze.

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