Der Inventory Performance Index (IPI) ist Amazons Punktzahl für die Gesundheit deines FBA-Bestands. Er zeigt auf einer Skala, wie effizient du deine Ware im Logistiknetz von Amazon bewegst: verkaufst du zügig, vermeidest du Ladenhüter und bleibst du bei deinen Verkaufsschlagern lieferfähig?
Warum das mehr ist als eine hübsche Zahl: Amazon nutzt den IPI, um zu entscheiden, wie viel Lagerplatz du bekommst. Ein hoher Score signalisiert, dass du den Platz sinnvoll nutzt. Ein niedriger Score sagt Amazon, dass Ware bei dir eher steht als sich dreht. Und Platz im Logistikzentrum ist knapp und teuer.
Den aktuellen IPI findest du in Seller Central im Bestands-Dashboard (Inventory Performance Dashboard). Er wird laufend aktualisiert, ist aber ein rollierender Wert. Änderungen an deinem Bestand wirken sich also nicht sofort in voller Höhe aus, sondern über einige Wochen. Für die FBA-Grundlagen drumherum haben wir einen eigenen FBA-Starter-Guide, der die Versand-Basics abdeckt.
Der IPI setzt sich aus vier Faktoren zusammen: Sell-Through-Rate, überschüssiger Bestand, gestrandeter beziehungsweise überalterter Bestand und In-Stock-Rate. Amazon nennt keine offizielle Formel und keine festen Gewichte, aus der Praxis lässt sich aber ableiten, dass Sell-Through und überschüssiger Bestand am schwersten wiegen.
Die Sell-Through-Rate ist das Herzstück. Sie setzt deine verkauften Einheiten der letzten rund 90 Tage ins Verhältnis zum durchschnittlichen Bestand im gleichen Zeitraum. Verkaufst du 300 Stück und hattest im Schnitt 100 auf Lager, drehst du deinen Bestand dreimal. Je höher, desto besser für den Score.
Überschüssiger Bestand (Excess Inventory) ist Ware, von der du gemessen an deinem Absatz zu viel eingelagert hast. Sie belegt Platz, ohne sich schnell genug zu drehen. Gestrandeter Bestand (Stranded Inventory) ist Ware, die physisch im Lager liegt, aber nicht aktiv verkäuflich gelistet ist, etwa weil das Angebot inaktiv oder das Listing gesperrt ist. Solche Einheiten sind pures Gift für den Score, weil sie Platz belegen und null Umsatz bringen.
Die In-Stock-Rate misst, wie zuverlässig deine nachbestellbaren Verkaufsschlager verfügbar waren. Vereinfacht: an wie vielen Tagen deine wichtigen, replenishable Produkte lieferbar waren. Wer bei Bestsellern ständig ausverkauft ist, verliert hier Punkte, auch wenn das erstmal paradox klingt.
Deine FBA-Kapazitätsgrenze ist die Menge an Volumen, gemessen in Kubikfuß, die du je Lagertyp bei Amazon einlagern darfst. Sie wird nicht willkürlich gesetzt, sondern aus mehreren Größen berechnet: deinem IPI, deiner Verkaufsgeschwindigkeit (Sales Velocity), der voraussichtlichen Nachfrage und der aktuellen Auslastung der Logistikzentren.
Vereinfacht gesagt: Liegst du über dem IPI-Schwellenwert, den Amazon vorgibt (Stand 2026 wurde hier lange ein Wert von 400 genannt, prüfe deinen aktuellen Schwellenwert in Seller Central), bekommst du großzügig Platz. Fällst du darunter, deckelt Amazon dein Volumen enger. Die Kapazität wird pro Lagertyp vergeben, etwa getrennt für Standardgröße und Sperrgut.
Amazon bemisst die Grenze grob an einigen Monaten deines prognostizierten Absatzes. 2026 wurde diese Projektion tendenziell knapper gefasst als in den Vorjahren, was die Effizienz der Lager erhöhen soll. Für dich heißt das: Ein schwacher IPI und langsamer Abverkauf verstärken sich gegenseitig und schnüren den verfügbaren Platz zusammen.
Kapazität ist damit kein reines Gebühren-Thema, sondern eine Wachstumsbremse oder ein Wachstumshebel. Wer zuverlässig einlagern kann, verpasst keine Peaks. Wer ständig gegen die Decke stößt, muss Nachschub timen wie ein Uhrwerk. Die Kalkulation deiner Nachbestellmengen gehört deshalb in ein sauberes System. Wie du das ohne Bauchgefühl aufsetzt, zeigt unser Beitrag zur Bestandsplanung mit Excel.
Der Kapazitätsmonitor (Capacity Monitor) ist deine Anzeige: Er zeigt in Seller Central deine aktuelle Kapazitätsgrenze, wie viel davon belegt ist und wo du stehst. Du findest ihn unter anderem am unteren Rand des FBA-Dashboards, im Bestands-Dashboard und im Versandanlege-Prozess (Send to Amazon). Ein Blick dorthin vor jeder größeren Anlieferung erspart dir böse Überraschungen.
Der Kapazitäts-Manager (Capacity Manager) ist dein Werkzeug zum Handeln. Reicht deine Grundzuteilung nicht, kannst du hier zusätzliche Kapazität für bestimmte Lagertypen und Zeiträume anfragen. Amazon zeigt dir dabei deine geschätzten Grenzen für die kommenden Monate und bewertet deine Anfrage nach Verkaufshistorie und IPI.
Zusätzliche Kapazität ist in der Regel nicht kostenlos: Für genehmigten Extra-Platz fällt eine Reservierungsgebühr pro Kubikfuß an. Diese Gebühr lässt sich aber über Umsatz-Gutschriften verrechnen. Wenn die Ware im angefragten Platz gut abverkauft, bekommst du die Gebühr für viele Konstellationen ganz oder teilweise zurück. Wer den Platz dagegen ungenutzt blockiert, zahlt drauf.
Wichtig ist die andere Seite: Überschreitest du deine Grenze ungeplant, drohen Überschreitungsgebühren (Overage Fees), die monatlich auf das durchschnittlich zu viel belegte Volumen anfallen. Die konkreten Sätze für Reservierung und Überschreitung ändern sich, behandle jede Zahl als Stand 2026 und prüfe sie in Seller Central.
Je länger Ware im Lager steht, desto teurer wird sie. Amazon erhebt zusätzlich zur normalen monatlichen Lagergebühr einen Aufschlag auf überalterten Bestand (Aged Inventory Surcharge). Dieser Aufschlag ist gestaffelt: Je länger eine Einheit liegt, desto höher der Satz, und Amazon berechnet den jeweils höheren Betrag aus einer Pro-Stück- und einer Pro-Volumen-Rechnung.
2026 hat Amazon hier nachgeschärft. Der Aufschlag greift früher als viele denken, in aktuellen Meldungen ist von einem Einstieg bereits ab rund 181 Tagen die Rede statt der früher üblichen 271 oder 365 Tage. Außerdem wird monatlich statt halbjährlich abgerechnet, und die Sätze für sehr alte Ware wurden angehoben. Nimm konkrete Tage und Beträge als Stand 2026 und gleiche sie mit deinem Gebührenblatt in Seller Central ab.
Der Zusammenhang mit dem IPI ist direkt: Überalterte Ware fließt als überschüssiger und schlecht drehender Bestand negativ in den Score ein und kostet dich gleichzeitig bares Geld über den Aufschlag. Der überalterte Bestand ist damit doppelt schädlich, er drückt den Index und leert die Kasse.
Die gute Nachricht: Beide Probleme haben denselben Hebel. Wer Ladenhüter früh erkennt und aktiv abbaut, hebt den IPI und spart die Gebühr. Wie du die reinen FBA-Kosten insgesamt strukturierst, liest du in unserer Übersicht zu den FBA-Gebühren.
Der schnellste Hebel ist Aufräumen. Identifiziere gestrandeten Bestand (Stranded Inventory) und mach ihn wieder verkäuflich oder lass ihn entfernen. Ware ohne aktives Angebot bringt null Umsatz und zieht den Score nach unten, das ist der ineffizienteste Zustand überhaupt.
Danach kommt der überschüssige Bestand. Für Artikel, die sich messbar zu langsam drehen, brauchst du eine Abverkaufsstrategie: gezielte Aktionen, Preisanpassung, Bündelung oder im Zweifel eine geplante Entfernung, bevor der Überalterungs-Aufschlag greift. Das verbessert Sell-Through und überschüssigen Bestand gleichzeitig.
Die dritte Baustelle ist die In-Stock-Rate deiner Verkaufsschlager. Deine Bestseller sollten nicht ins Leere laufen, denn Ausverkäufe kosten Umsatz und Punkte. Gleichzeitig gilt: nicht überkompensieren und die Lager mit Sicherheitsbestand zumauern. Die Kunst ist, weder unter- noch überzulagern, sondern die Nachbestellung an der echten Verkaufsgeschwindigkeit auszurichten.
Genau hier hilft ein System statt Bauchgefühl. Mit dem Sellercore Bestandsmanagement siehst du Sell-Through, Reichweite und Nachbestellpunkte je Produkt an einer Stelle und erkennst Ladenhüter, bevor sie teuer werden. Wer die Zahlen laufend im Blick hat, trifft die Kapazitäts- und Nachschubentscheidungen früh genug, damit sie im rollierenden IPI überhaupt wirken können.
Und wenn dir die manuelle Auswertung zu viel wird: Der Sellercore KI-Agent übernimmt das Durchforsten deiner Bestandsdaten, weist dich auf kritische Artikel hin und schlägt Aktionen vor. So wird aus der IPI-Pflege eine Routine statt einer Feuerwehr-Aktion am Quartalsende.
Der IPI ist kein Selbstzweck, sondern die Stellschraube zwischen dir und deinem FBA-Lagerplatz. Er misst über vier Faktoren, wie gut du Ware bewegst, und übersetzt das direkt in deine Kapazitätsgrenze. Ein hoher Score bedeutet mehr Platz, weniger Gebühren und keine verpassten Peaks. Ein niedriger Score bremst dich gleich doppelt.
Die gute Nachricht bleibt: Die Hebel sind bekannt und alle greifen an denselben Punkten. Ladenhüter raus, Bestseller lieferfähig, Nachschub an der echten Verkaufsgeschwindigkeit ausrichten. Wer das laufend statt einmal im Quartal macht, hält IPI und Kapazität stabil oben. Behalte deine Zahlen an einem Ort im Blick und automatisiere die Routine mit dem Sellercore Bestandsmanagement, damit du entscheidest, bevor Amazon deine Grenze für dich enger zieht.
Ein letzter Hinweis: Amazon dreht regelmäßig an Schwellen, Faktoren und Gebühren. Nimm jede konkrete Zahl in diesem Artikel als Stand 2026 und prüfe deinen aktuellen Wert im Bestands-Dashboard, bevor du planst.