Amazon AWD in Deutschland: Kosten und Vergleich mit FBA

Was Amazon Warehousing and Distribution ist, wie AWD mit FBA zusammenspielt, welche Gebühren anfallen, wo die Grenzen in Europa liegen und für wen es sich lohnt.

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Illustration eines großen Lagers mit hohen Palettenregalen voller Versandkartons, einem Gabelstapler und einem Förderband
Das Wichtigste in Kürze
  • Amazon AWD ist ein Lager für große Mengen vor dem FBA-Netz. Seit 20. August 2026 gibt es den Dienst in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien.
  • Du zahlst eine pauschale Lagergebühr unabhängig von der Lagerdauer, dazu Bearbeitung beim Ein- und Ausgang und den Transport ins FBA-Lager. Vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2026 entfällt die Lagergebühr.
  • In Europa versorgt AWD zum Start nur das FBA-Netz. Andere Verkaufskanäle, Self-Service-Rücksendungen und alle Produkte sind nicht abgedeckt, prüfe also deine SKUs einzeln.

Was ist Amazon AWD?

AWD steht für Amazon Warehousing and Distribution, auf Deutsch Lagerhaltung und Vertrieb von Amazon. Gemeint ist ein Lager für große Mengen, das vor dem eigentlichen FBA-Netz sitzt. Du schickst deine Ware in Kartons oder auf Paletten an ein AWD-Distributionszentrum. Dort liegt sie als Reserve, und Amazon schiebt sie in die Logistikzentren, aus denen deine Bestellungen versendet werden.

Der Unterschied zu FBA ist schnell erklärt. FBA ist das Lager, aus dem verkauft wird: Ware liegt griffbereit, wird gepickt, gepackt und verschickt. AWD ist das Lager davor. Von dort wird nichts an Kunden versendet, sondern nur an FBA nachgefüllt. Du kannst dir AWD als Pufferlager vorstellen, das du sonst bei einem eigenen Lager oder einem Logistikdienstleister unterhalten würdest.

Für viele Seller ist genau dieser Puffer das Problem. Ware aus Fernost kommt in großen Lieferungen, FBA nimmt aber nur so viel an, wie deine Lagerkapazität erlaubt. Der Rest muss irgendwo liegen und später in Teilsendungen an Amazon gehen. AWD soll diesen Zwischenschritt in Amazons eigenes Netz holen.

AWD in Deutschland und Europa: seit wann und wo

In den USA bietet Amazon AWD schon seit 2022 an. Nach Europa kam der Dienst am 20. August 2026. Laut der Ankündigung im deutschen Verkäuferforum startete AWD gleichzeitig in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien.

Amazon beschreibt den Dienst dort mit wenigen Kernpunkten: zusätzliche Lagerkapazität, damit du mehr Ware schicken kannst, ohne an die FBA-Kapazitätsgrenzen gebunden zu sein. Automatischer Nachschub an die FBA-Logistikzentren in Europa. Ein Pauschalpreis für die Lagerung, unabhängig davon, wie lange die Ware liegt, und keine langfristige Bindung. Dazu Rabatte auf Lager- und Transportkosten, wenn du AWD mit anderen berechtigten Amazon-Diensten kombinierst.

In welchem Distributionszentrum deine Ware genau landet, legt Amazon fest. Welche Standorte es für FBA in Deutschland gibt, zeigt unsere Übersicht der Amazon Logistikzentren in Deutschland. Für AWD selbst veröffentlicht Amazon keine vergleichbare Liste. Den Zielort siehst du, wenn du die Sendung anlegst.

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So funktioniert AWD: vom Container bis ins FBA-Lager

Der Ablauf hat drei Stufen. Zuerst legst du in Seller Central im Bereich Lagerhaltung und Vertrieb von Amazon eine Sendung an AWD an. Dabei prüft Amazon, ob deine Artikel für AWD berechtigt sind. Dann lieferst du die Ware an das zugewiesene Distributionszentrum. Dort wird sie eingebucht und als AWD-Bestand geführt, getrennt von deinem verkaufsfähigen FBA-Bestand.

Im dritten Schritt wandert die Ware weiter. Amazon füllt deine FBA-Lager automatisch aus dem AWD-Bestand nach, abhängig von der Nachfrage. Zusätzlich kannst du Nachschub-Sendungen von AWD an FBA auch selbst anlegen, etwa vor einem Aktionstag. Erst wenn die Ware im FBA-Lager eingebucht ist, ist sie für Kunden verfügbar.

Wichtig für deine Planung: Zwischen AWD und dem Verkauf liegt immer noch ein Transport. Bestand im AWD-Lager oder unterwegs zu FBA ist kein verkaufsfähiger Bestand. Wer bisher nur auf die FBA-Zahl in Seller Central geschaut hat, muss künftig drei Stufen im Blick behalten: AWD, unterwegs, verkaufsfähig.

Vorbereitung bleibt deine Aufgabe

Auch bei AWD musst du die Ware so anliefern, dass sie später ohne Nacharbeit ins FBA-Lager weiterlaufen kann. Etiketten, Verpackung und Kartonvorgaben solltest du vor der ersten Sendung klären. Was dazugehört, steht in unserem Ratgeber zum Amazon FBA Prep Center.

AWD oder FBA: der Unterschied auf einen Blick

AWD ersetzt FBA nicht, es ergänzt FBA. Die Frage ist also nicht „AWD oder FBA“, sondern wie viel deiner Reserve du bei Amazon statt in einem eigenen oder externen Lager hältst. Die wichtigsten Unterschiede:

  1. 1
    Aufgabe

    FBA lagert Ware, die verkauft wird, und versendet an Kunden. AWD lagert Reserve und versendet nur an FBA.

  2. 2
    Lagergebühr

    FBA rechnet monatlich nach Volumen ab, im vierten Quartal teurer, mit Zuschlägen für lange liegende Ware. AWD nennt einen Pauschalpreis, der nicht von der Lagerdauer abhängt.

  3. 3
    Kapazität

    FBA ist durch deine Kapazitätsgrenze gedeckelt. AWD soll dir Lagerplatz darüber hinaus geben.

  4. 4
    Verfügbarkeit für Kunden

    FBA-Bestand ist sofort verkaufsfähig. AWD-Bestand muss erst ins FBA-Lager transportiert und eingebucht werden.

  5. 5
    Zusatzkosten

    Bei FBA zahlst du den Versand an Amazon selbst. Bei AWD kommen Bearbeitung beim Ein- und Ausgang und der Transport von AWD zu FBA dazu.

Was kostet Amazon AWD?

Amazon rechnet AWD in drei Blöcken ab. Erstens die Lagergebühr, die laut Programmrichtlinie monatlich nach dem täglich belegten Volumen berechnet wird. Zweitens Bearbeitungsgebühren für den Wareneingang und den Warenausgang. Drittens die Transportgebühr, wenn Ware von AWD in ein FBA-Logistikzentrum gebracht wird.

Konkrete Sätze nennen wir hier bewusst nicht. Amazon veröffentlicht die aktuellen AWD-Gebühren in Seller Central, und sie können sich ändern. Für deine Entscheidung zählt ohnehin nicht der Preis pro Kubikmeter, sondern die Summe pro verkaufter Einheit. Rechne deshalb alle drei Blöcke zusammen und vergleiche sie mit dem, was dich deine heutige Lösung kostet: eigenes Lager oder Dienstleister, plus die Teilsendungen, mit denen du FBA bisher selbst nachfüllst.

Vergiss dabei nicht die FBA-Seite. Ware, die aus AWD nachgefüllt wird, liegt anschließend im FBA-Lager und kostet dort die normalen Lagergebühren. Wie sich diese zusammensetzen und warum das vierte Quartal teurer ist, erklären wir in der Übersicht der FBA-Gebühren. AWD ist dann günstig, wenn es dir hilft, im FBA-Lager weniger und schneller drehende Ware zu halten.

Keine AWD-Lagergebühr bis 31. Dezember 2026

Amazon erlässt die AWD-Lagergebühren für berechtigten Bestand in den europäischen AWD-Zentren vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2026. Die Gebühren für Wareneingang, Warenausgang und Transport fallen weiter zu den normalen Sätzen an. Ab 1. Januar 2027 gilt wieder die reguläre Lagergebühr.

AWD und deine FBA-Lagerkapazität

Das stärkste Argument für AWD ist die Kapazität. Wie viel du ins FBA-Lager schicken darfst, hängt unter anderem von deinem Inventory Performance Index ab. Wie Amazon diese Grenze berechnet, erklärt unser Ratgeber zu IPI und FBA-Lagerkapazität. Wer regelmäßig an die Grenze stößt, muss große Lieferungen zwischenlagern und in Etappen nachschicken.

AWD verschiebt dieses Problem. Die Reserve liegt bei Amazon, und Amazon füllt FBA nach, wenn dort Platz und Nachfrage da sind. Die FBA-Grenze verschwindet damit nicht. Verkaufsfähig ist weiterhin nur, was ins FBA-Lager passt. Du sparst dir aber den Umweg über ein drittes Lager und die manuelle Steuerung der Teilsendungen.

Gleichzeitig solltest du AWD nicht als Ausrede für schwachen Abverkauf nutzen. Ware, die sich nicht dreht, wird auch in einem günstigeren Lager nicht besser. Sie bindet Kapital, und sobald sie im FBA-Lager liegt, belastet sie wieder deinen IPI. AWD lohnt sich für planbare Reserve, nicht für Ladenhüter.

Grenzen von AWD in Europa

Zum Start in Europa ist AWD schlanker als in den USA. Bevor du größere Mengen einplanst, solltest du diese Punkte kennen:

  1. 1
    Nur für das FBA-Netz

    In den USA kann AWD auch andere Verkaufskanäle beliefern. In Europa versorgt der Dienst zum Start nur deine FBA-Lager. Wer aus demselben Bestand auch einen eigenen Shop beliefert, braucht dafür weiter ein anderes Lager.

  2. 2
    Keine Rücksendung per Self-Service

    In der EU und in Großbritannien kannst du Ware nicht selbst aus AWD abrufen. Du musst den Verkäufer-Support kontaktieren, eine berechtigte Rücksendeadresse angeben und die anfallenden Rücksendegebühren zahlen.

  3. 3
    Nicht jedes Produkt

    Amazon nimmt nur berechtigten Bestand in großen Mengen an. Ob ein Artikel passt, siehst du beim Anlegen der Sendung. Plane nicht, dein ganzes Lager auf einmal umzuziehen.

  4. 4
    Ein zusätzlicher Transport

    Jede Einheit läuft einmal mehr durch Amazons Netz. Das kostet Bearbeitung und Transport und verlängert die Zeit, bis Ware verkaufsfähig ist.

Umsatzsteuer: Wo deine Ware liegt, zählt

Lager hat in der EU immer eine steuerliche Seite. Liegt deine Ware in einem Land, in dem du nicht für die Umsatzsteuer registriert bist, kann das eine Registrierung dort auslösen. Das kennst du vielleicht schon vom Pan-EU-Programm. Für AWD gilt nichts anderes: Entscheidend ist, wo der Bestand physisch liegt.

Prüfe deshalb beim Anlegen der Sendung, in welches Land die Ware geht, und kläre die Folgen mit deiner Steuerberatung, bevor du größere Mengen einlagerst. Warum der Lagerort für die Umsatzsteuer so wichtig ist, erklärt unser Ratgeber zu Amazon, Umsatzsteuer und OSS.

Für wen sich AWD lohnt und für wen nicht

AWD passt gut zu Sellern, die in großen Mengen einkaufen, etwa per Seefracht, und heute ein eigenes Lager oder einen Dienstleister als Puffer vor FBA nutzen. Auch wer regelmäßig an die FBA-Kapazitätsgrenze stößt oder starke Saisonspitzen hat, kann profitieren: Die Ware liegt schon im Amazon-Netz, wenn die Nachfrage steigt.

Weniger sinnvoll ist AWD, wenn deine Mengen klein sind und eine Sendung direkt an FBA reicht. Ebenso, wenn du aus demselben Bestand mehrere Kanäle bedienst, denn das geht in Europa zum Start nicht. Und wenn du oft Ware zurückholen musst, etwa für Nacharbeit oder den Verkauf auf anderen Wegen, bremst dich der fehlende Self-Service bei Rücksendungen.

Ein guter Einstieg ist ein Test mit wenigen, gut planbaren Artikeln. Nimm Produkte mit stabilem Abverkauf und ordentlicher Marge, behalte eine externe Reserve und vergleiche nach einigen Wochen: Wie lange dauert der Weg von AWD zu FBA, wie oft warst du ausverkauft, und was kostet dich eine Einheit am Ende wirklich?

In fünf Schritten zur ersten AWD-Sendung

Wenn du AWD ausprobieren willst, gehst du am besten in dieser Reihenfolge vor:

  1. 1
    1. Artikel auswählen

    Wähle wenige SKUs mit stabilem Abverkauf und genug Volumen, damit sich eine Sendung in großen Mengen lohnt.

  2. 2
    2. Berechtigung prüfen

    Lege in Seller Central unter Lagerhaltung und Vertrieb von Amazon eine Sendung an. Amazon zeigt dir dabei, welche Artikel angenommen werden.

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    3. Kosten vergleichen

    Rechne Lagerung, Bearbeitung und Transport pro Einheit und vergleiche mit deiner heutigen Lösung. Zieh die aktuellen Gebühren aus Seller Central heran.

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    4. Ware vorbereiten

    Kläre Etiketten, Verpackung und Kartonvorgaben, damit die Ware später ohne Nacharbeit ins FBA-Lager weiterläuft.

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    5. Nachschub beobachten

    Verfolge, wann Amazon aus AWD nachfüllt und wie lange die Einbuchung dauert. Lege bei Bedarf eigene Nachschub-Sendungen an.

Bestand planen, wenn zwei Lager im Spiel sind

Mit AWD wird deine Bestandsplanung nicht einfacher, sondern genauer. Statt einer Zahl hast du mehrere: Ware beim Lieferanten, Ware im AWD-Lager, Ware unterwegs und verkaufsfähiger FBA-Bestand. Entscheidend ist, wie viele Tage dein verkaufsfähiger Bestand reicht und wann du beim Lieferanten nachbestellen musst, damit die nächste Lieferung rechtzeitig ankommt.

Genau dafür ist das Bestandsmanagement von Sellercore gebaut. Der Storage Optimizer berechnet die Reichweite pro SKU aus deinem Abverkauf der letzten 90 Tage, der Saisonalität, der Ware unterwegs und der Lieferzeit deines Lieferanten. Daraus ergibt sich der Nachbestellpunkt, und du bekommst Bestellvorschläge pro Lieferant. So siehst du früh, ob deine Reserve reicht, egal ob sie bei dir, bei einem Dienstleister oder bei Amazon liegt.

Du kannst Sellercore 14 Tage mit allen Funktionen testen und deine eigenen Zahlen ansehen, bevor du die erste AWD-Sendung planst.

Fazit

Amazon AWD bringt das Pufferlager vor FBA in Amazons eigenes Netz. Seit August 2026 geht das auch in Deutschland. Der Dienst ist vor allem für Seller interessant, die große Mengen einkaufen, an FBA-Kapazitätsgrenzen stoßen oder Saisonspitzen abfedern müssen.

Prüfe vor dem Start drei Dinge: ob deine Artikel berechtigt sind, was dich eine Einheit inklusive Bearbeitung und Transport kostet und welche steuerlichen Folgen der Lagerort hat. Bis Ende 2026 entfällt die AWD-Lagergebühr, das ist ein günstiges Zeitfenster für einen Test mit wenigen SKUs.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Amazon AWD und FBA?

FBA ist das Lager, aus dem Amazon an deine Kunden versendet. AWD ist ein Lager für große Mengen davor: Dort liegt deine Reserve, und Amazon füllt daraus deine FBA-Lager nach. Kunden werden nie direkt aus AWD beliefert.

Seit wann gibt es Amazon AWD in Deutschland?

Amazon hat AWD am 20. August 2026 in Europa gestartet, gleichzeitig in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien. In den USA gibt es den Dienst seit 2022.

Was kostet Amazon AWD?

Es gibt drei Gebührenblöcke: eine pauschale Lagergebühr nach Volumen, unabhängig von der Lagerdauer, Bearbeitungsgebühren für Ein- und Ausgang und eine Transportgebühr von AWD zu FBA. Die aktuellen Sätze stehen in Seller Central. Vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2026 erlässt Amazon die Lagergebühr für berechtigten Bestand.

Kann ich mit AWD auch meinen eigenen Shop beliefern?

In Europa nicht. Zum Start versorgt AWD hier nur das FBA-Netz. Die Belieferung anderer Verkaufskanäle gibt es bisher nur in den USA.

Zählt AWD-Bestand gegen meine FBA-Lagerkapazität?

Amazon bewirbt AWD ausdrücklich als zusätzliche Lagerkapazität, mit der du mehr Ware schicken kannst, ohne an die FBA-Kapazitätsgrenzen gebunden zu sein. Verkaufsfähig ist aber weiterhin nur, was im FBA-Lager liegt, und dort gilt deine Grenze.

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